Kettner Edelmetalle
19.03.2026
12:32 Uhr

Das Kartenhaus der KriegsgrĂŒnde: Wie Washington in einen Konflikt schlitterte, den niemand wollte

Was sich derzeit im Nahen Osten abspielt, dĂŒrfte kĂŒnftigen Generationen als LehrstĂŒck dafĂŒr dienen, wie eine Supermacht ihre strategische SouverĂ€nitĂ€t verlieren kann. Die Hinweise verdichten sich, dass die Vereinigten Staaten nicht aus eigenem Antrieb, sondern unter massivem externem Druck in den Iran-Krieg hineingezogen wurden – mit verheerenden Konsequenzen fĂŒr die gesamte Weltordnung und die globale Energieversorgung.

Ein RĂŒcktritt, der BĂ€nde spricht

Joe Kent, ehemaliger Chef der US-Terrorabwehr, Armeeveteran mit elf KampfeinsĂ€tzen und frĂŒherer CIA-Mitarbeiter, hat seinen Posten aus Protest gegen den Iran-Krieg niedergelegt. In einem aufsehenerregenden Interview mit Tucker Carlson erhob er VorwĂŒrfe, die das offizielle Narrativ der Trump-Administration wie ein Kartenhaus zusammenstĂŒrzen lassen. Der Zugang zu PrĂ€sident Trump sei im Vorfeld des Krieges massiv eingeschrĂ€nkt worden, wichtige EntscheidungstrĂ€ger hĂ€tten ihre EinschĂ€tzungen nicht vorbringen dĂŒrfen. Eine „robuste Debatte", wie sie bei frĂŒheren militĂ€rischen Operationen ĂŒblich gewesen sei, habe schlicht nicht stattgefunden.

Besonders brisant: Kent erklĂ€rte unmissverstĂ€ndlich, es habe keinerlei Geheimdienstinformationen gegeben, die auf einen bevorstehenden iranischen Großangriff hindeuteten. Keine Bedrohung vergleichbar mit Pearl Harbor oder dem 11. September. Nichts. Das Weiße Haus hatte jedoch genau dies als Rechtfertigung fĂŒr die MilitĂ€rschlĂ€ge angefĂŒhrt. Man fragt sich unweigerlich: Auf welcher Grundlage wurde dieser Krieg eigentlich begonnen?

Die unbequeme Frage: Wer regiert die US-Außenpolitik?

Kent ging noch weiter und stellte eine Frage, die in Washington normalerweise niemand laut auszusprechen wagt: „Wer bestimmt eigentlich unsere Politik im Nahen Osten?" Seine Antwort ließ wenig Interpretationsspielraum. Die angeblich „unmittelbare Bedrohung" sei nicht vom Iran ausgegangen, sondern von Israel. Außenminister Marco Rubio habe den Iran als akute Gefahr dargestellt, weil Israel kurz vor einem eigenen Angriff gestanden habe und eine iranische Reaktion erwartet worden sei. Eine groteske Verdrehung der KausalitĂ€t, die Kent als „fehlerhaft" bezeichnete.

Der israelische Journalist Gideon Levy hatte bereits zu Beginn des Konflikts gegenĂŒber der Berliner Zeitung erklĂ€rt, Netanjahu habe die USA „schon lange in einen großen Krieg gegen den Iran hineinziehen" wollen. Die Gelegenheit habe sich geboten, als die Möglichkeit bestand, einen Großteil der iranischen FĂŒhrung auszuschalten. Mit jedem weiteren Kriegstag scheint sich diese These zu bestĂ€tigen.

Diplomatie als Falle – oder als verpasste Chance?

Was die Angelegenheit noch skandalöser macht: Es hĂ€tte offenbar einen friedlichen Ausweg gegeben. Der zweifache Pulitzer-PreistrĂ€ger David Rohde berichtete, der Iran habe angeboten, sein gesamtes angereichertes Uran wĂ€hrend der FriedensgesprĂ€che abzugeben. Wenige Stunden spĂ€ter hĂ€tten die USA mit Bombardierungen begonnen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen – ein Verhandlungsangebot von historischer Tragweite, das offenbar bewusst ignoriert wurde.

Der omanische Außenminister Badr al-Busaidi, der die GesprĂ€che in Genf vermittelt hatte, veröffentlichte daraufhin einen bemerkenswerten Gastbeitrag im Economist. Sein vernichtendes Urteil: Die USA hĂ€tten zugunsten Israels „die Kontrolle ĂŒber ihre Außenpolitik verloren". Ein Abkommen sei in greifbarer NĂ€he gewesen – was auch der britische Nationale Sicherheitsberater Jonathan Powell bestĂ€tigte. Der anschließende MilitĂ€rschlag sei ein „Schock" gewesen.

Trumps widersprĂŒchliches Lavieren

FĂŒr einen Mann, der sich stets als genialen „Dealmaker" inszenierte, bietet Donald Trump derzeit ein erschreckendes Bild der Orientierungslosigkeit. Mal spricht er von einem Regimewechsel, dann wieder nicht. Mal will er den neuen Ayatollah mitbestimmen, dann wieder nicht. Zur Dauer des Krieges Ă€ußert er sich ebenso widersprĂŒchlich – teilweise am selben Tag. Ein ranghoher Diplomat brachte es gegenĂŒber der Berliner Zeitung auf den Punkt: „Trump ist unberechenbar. Ich glaube, er weiß selbst nicht, was er als NĂ€chstes tun wird."

Die westlichen VerbĂŒndeten haben die Konsequenzen bereits gezogen und Trumps Bitte um UnterstĂŒtzung bei der Sicherung der Straße von Hormus abgelehnt. Der französische General Michel Yakovleff kommentierte dies mit einer Metapher, die an Deutlichkeit nichts zu wĂŒnschen ĂŒbrig lĂ€sst: Sich Trump dort anzuschließen, wĂ€re „wie ein Ticket fĂŒr die Titanic zu kaufen, nachdem sie den Eisberg gerammt hat".

Der Angriff auf South Pars: ZĂŒndet Israel den globalen Energiekrieg?

Als wĂ€re die Lage nicht bereits explosiv genug, hat Israel am Mittwoch das South-Pars-Gasfeld im Iran angegriffen – das grĂ¶ĂŸte bekannte Gasfeld der Welt. Trump behauptete auf Truth Social, die USA hĂ€tten von dem Angriff nichts gewusst. Sollte das zutreffen, wirft es fundamentale Fragen ĂŒber die Kontrolle Washingtons ĂŒber seinen engsten VerbĂŒndeten im Nahen Osten auf. Sollte es nicht zutreffen, wĂ€re die LĂŒge kaum weniger beunruhigend.

Der Iran reagierte mit einem Vergeltungsschlag auf das weltweit grĂ¶ĂŸte Gasterminal in Katar und verursachte schwere SchĂ€den. Der Politikwissenschaftler Francesco Sassi von der UniversitĂ€t Oslo spricht von einer ĂŒberschrittenen roten Linie und einem globalen „Energie-Totalkrieg". Die Konsequenzen fĂŒr die weltweiten EnergiemĂ€rkte könnten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte anhalten. FĂŒr Europa, das ohnehin unter den Folgen der Russland-Sanktionen und der verfehlten Energiepolitik der vergangenen Jahre leidet, könnte dies zur wirtschaftlichen Katastrophe werden.

Auch die US-Geheimdienste widersprechen der offiziellen Linie

Kent steht mit seiner Kritik keineswegs allein. Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard erklĂ€rte vor dem Geheimdienstausschuss des Senats, der Iran habe seine Nuklearanlagen seit den massiven amerikanisch-israelischen Luftangriffen im Juni 2025 – der sogenannten Operation „Mitternachtshammer" – nicht wieder aufgebaut. Es habe „keinerlei BemĂŒhungen gegeben, die AnreicherungskapazitĂ€ten wieder aufzubauen". Damit entfĂ€llt auch die letzte Rechtfertigung fĂŒr die Fortsetzung des Krieges.

Kent betonte zudem, der inzwischen getötete iranische Oberste FĂŒhrer Ali Chamenei habe das Atomprogramm eher gebremst als vorangetrieben. Auf die direkte Frage, ob der Iran kurz vor dem Bau einer Atombombe gestanden habe, antwortete der ehemalige Terrorabwehrchef mit einem schlichten „Nein". Die gezielte Tötung moderater KrĂ€fte – wie etwa des Sicherheitsratschefs Ali Laridschani – blockiere bewusst diplomatische Auswege und verlĂ€ngere den Krieg, warnen Experten gegenĂŒber dem britischen Guardian.

Die Lehren fĂŒr Europa – und fĂŒr Deutschland

Was bedeutet all dies fĂŒr Deutschland und Europa? ZunĂ€chst einmal offenbart der Konflikt in erschreckender Klarheit, wie abhĂ€ngig die westliche Welt von Entscheidungen ist, auf die sie keinen Einfluss hat. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz steht vor der Herausforderung, eine eigenstĂ€ndige außenpolitische Position zu formulieren – etwas, das Deutschland seit Jahrzehnten versĂ€umt hat. Stattdessen hat man sich in eine transatlantische Gefolgschaft begeben, die nun in eine Sackgasse fĂŒhrt.

Die Energiepreise werden weiter steigen, die Inflation wird angeheizt, und die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft wird zusĂ€tzlich belastet. Das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur wird unter diesen Bedingungen noch schneller verpuffen als befĂŒrchtet. Und die deutschen BĂŒrger? Sie werden einmal mehr die Zeche zahlen fĂŒr eine Politik, die nicht ihre Interessen vertritt.

In Zeiten wie diesen, in denen geopolitische Verwerfungen die FinanzmĂ€rkte erschĂŒttern und Energiekriege ganze Volkswirtschaften bedrohen, erweist sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Vermögenssicherung. Gold und Silber haben ĂŒber Jahrtausende hinweg ihre Funktion als KrisenwĂ€hrung bewiesen – und angesichts der aktuellen Eskalationsspirale dĂŒrfte ihre Bedeutung weiter zunehmen.

„Es ist offensichtlich, dass manche keinen Frieden wollen", sagte ein ranghoher Diplomat gegenĂŒber der Berliner Zeitung. Ein Satz, der die ganze Tragik dieses Konflikts auf den Punkt bringt.

Die Ironie der Geschichte könnte kaum bitterer sein: Ein PrĂ€sident, der als „Dealmaker" antrat und versprach, Amerika aus endlosen Kriegen herauszuhalten, hat der Welt gezeigt, dass man mit den USA keine verlĂ€sslichen Abkommen schließen kann. Und ein Land, das einst als Garant der internationalen Ordnung galt, steckt nun in einer Sackgasse fest – hineingezogen von einem VerbĂŒndeten, dessen Interessen offenkundig nicht mit den eigenen ĂŒbereinstimmen.

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