
Corona-Aufarbeitung: Renommierter Statistiker wirft Politik vor, das RKI mundtot gemacht zu haben

Was viele kritische BĂŒrger seit Jahren vermuteten, findet nun auch in offiziellen Gremien seinen Widerhall: Der Corona-Untersuchungsausschuss des thĂŒringischen Landtags fördert brisante Erkenntnisse zutage, die das Versagen der deutschen Corona-Politik in ein grelles Licht rĂŒcken. Der renommierte Medizinstatistiker Gerd Antes, einer der Wegbereiter der evidenzbasierten Medizin in Deutschland, erhob am Dienstag schwere VorwĂŒrfe gegen die damalige Bundesregierung.
Das RKI als Maulkorb-Institut
Die Aussagen des Mathematikers und Statistikers haben es in sich: Das Robert Koch-Institut sei durch die Politik regelrecht âstummgestellt" worden. Dabei hĂ€tten die mittlerweile veröffentlichten RKI-Protokolle gezeigt, dass die Behörde auf Arbeitsebene durchaus kritische Punkte diskutiert und ârichtig gut Arbeit gemacht" habe. Nur nach auĂen kommunizieren durfte das Institut diese Erkenntnisse offenbar nicht.
Man stelle sich das einmal vor: Eine Gesundheitsbehörde, die eigentlich die wissenschaftliche Grundlage fĂŒr politische Entscheidungen liefern sollte, wird zum Schweigen verdonnert. Antes formulierte es pointiert: Der damalige RKI-Chef Lothar Wieler hĂ€tte eigentlich in jeder Pressekonferenz neben dem Gesundheitsminister sitzen und mit dem Nationalen Pandemieplan winken mĂŒssen. Stattdessen wurde dieser Leitfaden schlichtweg ignoriert â aus âpolitischen GrĂŒnden", wie der SachverstĂ€ndige betonte.
Impfung als einzige âpropagierte" Therapie
Besonders brisant erscheint die Kritik an der einseitigen Ausrichtung der Corona-Strategie. Statt eine breite Forschung zu Therapiemöglichkeiten gegen COVID-19 zu fördern, habe man sich auf die Vermarktung von Diagnostikinstrumenten wie Corona-Tests konzentriert. Die logische Konsequenz dieser Fehlentscheidung: Das Impfen wurde als einzige Therapie âpropagiert".
Auch die ĂŒbermĂ€Ăige AbhĂ€ngigkeit von Modellrechnungen kritisierte Antes scharf. Modellierung könne zwar Teil der KrisenbewĂ€ltigung sein, doch von einem Modell abzuleiten, dass man abends ab 20 Uhr einen Lockdown brauche â das sei ânatĂŒrlich absurd".
Der schwedische Weg: Besser als sein Ruf
WĂ€hrend der Virologe Christian Drosten einen Vergleich zwischen Deutschland und Schweden stets als problematisch darstellte, sieht Antes die Sache völlig anders. Mit einem Urbanisierungsgrad von fast 89 Prozent â deutlich höher als Deutschlands 78 Prozent â hĂ€tte Schweden eigentlich schlechtere Voraussetzungen fĂŒr die EindĂ€mmung des Virus gehabt. Dennoch sei das skandinavische Land, wenn man die SchĂ€den der Pandemie-MaĂnahmen im vollen Umfang berĂŒcksichtige, âeinfach eindeutig besser" weggekommen.
Virologe Streeck zwischen Kritik und Versöhnung
Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Virologe Hendrik Streeck schlug vor dem Ausschuss sowohl kritische als auch versöhnliche Töne an. Seine zentrale Botschaft: Es stehe nicht immer der Schutz vor einem Virus an erster Stelle, sondern die WĂŒrde des Menschen. Eine Aussage, die wĂ€hrend der Pandemie von vielen EntscheidungstrĂ€gern offenbar vergessen wurde.
Streeck erneuerte seine Kritik an der mangelnden Begleitforschung und den zu eng aufgestellten Expertengremien. Zudem stellte er das von Drosten und Wieler gezeichnete Bild infrage, wonach unter Wissenschaftlern wichtige Daten zur EinschÀtzung der Pandemie allgemein bekannt gewesen seien.
Allerdings fielen bei der Befragung auch Streecks wiederkehrende ErinnerungslĂŒcken auf. So gab der Virologe an, nicht einmal zu wissen, wer wĂ€hrend der Corona-Pandemie MinisterprĂ€sident von ThĂŒringen war. Die AfD-Politikerin Wiebke Muhsal zeigte sich entsprechend ernĂŒchtert: âMein Eindruck war, dass er die Situation in ThĂŒringen gar nicht kennt."
Deutschland hat nichts gelernt
Das vernichtendste Urteil des Medizinstatistikers Antes betrifft die LernfĂ€higkeit der deutschen Politik: Deutschland habe aus der Corona-Pandemie âleider nichts gelernt". Die Pandemie sei eigentlich nur eine Wiederholung der Schweinegrippe von 2009 in gröĂerem Rahmen gewesen. Und auch jetzt gebe es âkein Konzept" und nicht die Personen, die eine kĂŒnftige PandemiebewĂ€ltigung in die Hand nehmen könnten.
FĂŒr die Einrichtung des Untersuchungsausschusses hatten sich die Landtagsfraktionen von AfD und BSW sowie Teile der CDU eingesetzt. Die nĂ€chste Sitzung findet am 24. Februar statt, dann sollen weitere Fachexperten gehört werden, bevor politische EntscheidungstrĂ€ger als Zeugen geladen werden. Man darf gespannt sein, welche weiteren unbequemen Wahrheiten dann ans Licht kommen.










