
CDU-Ministerin Prien attackiert alternative Medien: âDelegitimierung und Zersetzung" der Demokratie

Die Bundesfamilienministerin Karin Prien hat sich in einem bemerkenswerten Interview mit der linken Tageszeitung âtaz" zu Wort gemeldet und dabei Aussagen getĂ€tigt, die aufhorchen lassen. Die CDU-Politikerin springt ihrem Parteikollegen Daniel GĂŒnther zur Seite, der sich nach seinen umstrittenen ĂuĂerungen bei Markus Lanz in einem wahren Sturm der EntrĂŒstung wiederfand. Doch anstatt die Wogen zu glĂ€tten, gieĂt Prien mit ihren Formulierungen weiteres Ăl ins Feuer.
Alternative Medien als Feinde der Freiheit?
Was die Ministerin in dem Interview von sich gibt, lĂ€sst tief blicken. Sie unterscheidet zunĂ€chst zwischen der Regulierung sozialer Medien und einem möglichen Verbot fĂŒr Unter-16-JĂ€hrige â ein Thema, das durchaus diskussionswĂŒrdig erscheint. Doch dann folgt der eigentliche Hammer: Die sogenannten alternativen Medien wĂŒrden ârechtspopulistische und rechtsextreme Positionen immer stĂ€rker in den Diskurs bringen", so Prien wörtlich.
Noch drastischer wird es, wenn die Bundesfamilienministerin behauptet: âEin Teil dieser Medien will zur Delegitimierung und Zersetzung unseres freiheitlichen, demokratischen Systems beitragen, das ist offenkundig." Man reibt sich verwundert die Augen. Hier bedient sich eine Ministerin einer GroĂen Koalition einer Wortwahl, die an dunkelste Zeiten deutscher Geschichte erinnert. Der Begriff âZersetzung" war bekanntlich ein Lieblingswort der Stasi, um Regimekritiker zu diffamieren und mundtot zu machen.
Die scheinheilige Berufung auf die Meinungsfreiheit
Besonders pikant mutet es an, wenn Prien im selben Atemzug betont, dass âZensur eben gerade nicht stattfindet" und auch âdie Feinde der Freiheit weitgehend durch die Meinungs- und Pressefreiheit geschĂŒtzt" seien. Wer genau diese âFeinde der Freiheit" sein sollen, lĂ€sst sie wohlweislich offen. Sind es etwa jene Journalisten und Medienmacher, die kritisch ĂŒber die Politik der Bundesregierung berichten? Jene, die unbequeme Fragen stellen und MissstĂ€nde aufdecken, die in den etablierten Medien kaum Beachtung finden?
Die Ministerin rĂ€umt zwar ein, dass man kritische Berichterstattung âaushalten" mĂŒsse, doch ihre Wortwahl verrĂ€t eine tiefe Verachtung gegenĂŒber allen, die nicht der vorgegebenen Linie folgen. Wer alternative Medien pauschal in die NĂ€he von Staatsfeinden rĂŒckt, der hat offenbar ein grundlegendes Problem mit dem Konzept einer freien Presse.
Der Ursprung der Debatte: GĂŒnthers Auftritt bei Lanz
Ausgangspunkt dieser Kontroverse war der mittlerweile berĂŒchtigte Auftritt von Daniel GĂŒnther bei Markus Lanz am 7. Januar. Als der Moderator den schleswig-holsteinischen MinisterprĂ€sidenten fragte, ob er tatsĂ€chlich Regulierung, Zensur und im Extremfall sogar Verbote meine, antwortete GĂŒnther schlicht mit âJa". Eine Aussage, die er spĂ€ter relativierte und behauptete, sie habe sich nur auf soziale Medien bezogen, nicht auf Nachrichtenportale.
In einer geradezu grotesken Wendung lieĂen seine AnwĂ€lte dann verlauten, GĂŒnther habe bei Lanz nicht als MinisterprĂ€sident, sondern als âParteipolitiker" gesprochen. Als ob diese Unterscheidung irgendeinen BĂŒrger interessieren wĂŒrde, der sich fragt, was ein fĂŒhrender CDU-Politiker von der Pressefreiheit hĂ€lt.
Die eigentliche Gefahr fĂŒr die Demokratie
Was Prien und GĂŒnther offenbar nicht verstehen wollen: Die wahre Gefahr fĂŒr die Demokratie geht nicht von kritischen Medien aus, sondern von Politikern, die jede Form von Opposition als âZersetzung" brandmarken. Alternative Medien sind in vielen FĂ€llen die einzigen, die Machtmissbrauch aufdecken, fragwĂŒrdige GeldflĂŒsse an NGOs hinterfragen und der Regierung auf die Finger schauen.
Dass ausgerechnet eine Ministerin der CDU â jener Partei, die sich gerne als HĂŒterin bĂŒrgerlicher Freiheiten inszeniert â solche Töne anschlĂ€gt, ist mehr als beunruhigend. Es zeigt, wie weit sich Teile der politischen Klasse von den Grundwerten entfernt haben, die sie zu verteidigen vorgeben. Die BĂŒrger dieses Landes haben ein Recht auf vielfĂ€ltige Informationsquellen, und sie werden sich dieses Recht nicht von Politikern nehmen lassen, die kritische Berichterstattung als Angriff auf die Demokratie diffamieren.
Die Ironie dabei: Wer stĂ€ndig von âDelegitimierung" spricht, delegitimiert sich am Ende selbst â durch eine Politik, die den BĂŒrgern das Vertrauen in ihre UrteilsfĂ€higkeit abspricht.










