
Bohren bis fast zum Erdmantel: Chinas Jagd nach dem eigenen Ă–l!

China gräbt tiefer als je zuvor, um seine Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern. Wie Staatsmedien Anfang Oktober meldeten, hat der Staatskonzern PetroChina im Ölfeld Hade-Fuman in der westchinesischen Region Xinjiang inzwischen mehr als 26 Millionen Tonnen Öläquivalent gefördert, und zwar aus Lagerstätten über 6.000 Meter unter der Erde. Peking reagiert damit auf eine Weltlage, in der Energie wieder zur Waffe geworden ist.
Ein Ă–lfeld so tief wie der Everest hoch
Ab 6.000 Metern gelten Lagerstätten als „ultratief“. Dort unten herrschen extreme Drücke und Temperaturen, jede Bohrung verschlingt Unsummen. Trotzdem hat China in Hade-Fuman nach eigenen Angaben bereits 485 ultratiefe Bohrungen niedergebracht. Damit gilt die Anlage am Rand der Taklamakan-Wüste als größtes Wüstenölfeld des Landes.
Die Zahlen, die der Mutterkonzern CNPC verbreitet, wirken beeindruckend. Demnach haben 133 Bohrungen jeweils mehr als 100.000 Tonnen Ă–l und Gas geliefert. Im Teilfeld Fuman sollen die Bohrungen im Schnitt ĂĽber 8.300 Meter tief reichen, also fast so weit wie der Mount Everest hoch ist. Laut Berichten holte eine Erkundungsbohrung kĂĽrzlich sogar einen Gesteinskern aus 8.080 Metern Tiefe nach oben, der rund 500 Millionen Jahre alt sein soll.
Auch Sinopec stößt in die Tiefe vor
PetroChina ist nicht der einzige Konzern, der so tief bohrt. Der zweite Staatsriese Sinopec hatte im Mai mitgeteilt, das Pekinger Ministerium für natürliche Ressourcen habe nachgewiesene Reserven von 235,687 Milliarden Kubikmetern Schiefergas im Feld Ziyang Dongfeng in der Provinz Sichuan anerkannt. Es handle sich um Chinas erstes ultratiefes Schiefergasfeld in der Größenordnung von 100 Milliarden Kubikmetern.
Dahinter steckt ein klarer Plan. China verfügt zwar über viele verschiedene Lieferanten für Öl und Gas. Trotzdem hat die Führung die Selbstversorgung mit Kohlenwasserstoffen zur Priorität erklärt, und zwar zusätzlich zum Ausbau der alternativen Energien.
Hormus als Weckruf
Warum das so dringend ist, zeigen die Zahlen. Nach offiziellen Zolldaten importierte China 2025 im Schnitt rekordverdächtige 11,6 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Dann kam die weitgehende Blockade der Straße von Hormus. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA brachen die chinesischen Einfuhren im zweiten Quartal 2026 auf 8,1 Millionen Barrel täglich ein, ein Minus von 32 Prozent. Aus dem Irak und Kuwait sei im Mai überhaupt kein Öl mehr angekommen.
Die Lehre daraus zieht Peking schnell: Wer seine Energie nicht selbst fördert, ist erpressbar. Der Ölpreis bestätigt das. Die Nordseesorte Brent notierte zuletzt bei über 100 Dollar je Barrel.
Und Deutschland? Schaut zu
Der Vergleich mit der Bundesrepublik fällt ernüchternd aus. In Deutschland ist unkonventionelles Fracking seit 2017 faktisch verboten. Eigene Vorkommen bleiben aus ideologischen Gründen unangetastet, während Berlin die Klimaneutralität bis 2045 sogar im Grundgesetz festgeschrieben hat. Kritiker sehen darin eine gefährliche Mischung aus moralischem Anspruch und strategischer Naivität.
China kombiniert dagegen Wind und Sonne mit Kohle, Ă–l und Gas. Die Volksrepublik setzt also auf alles, was Versorgungssicherheit bringt. Man muss das politische System in Peking nicht gutheiĂźen, um anzuerkennen: In der Energiepolitik handelt dort jemand mit Plan. Ob die teuren Tiefbohrungen sich auf Dauer rechnen, ist allerdings eine andere Frage.
Was das fĂĽr Sparer bedeutet
Steigende Energiepreise wirken wie eine Steuer auf Wohlstand. Sie treiben die Inflation, belasten die Industrie und knabbern an jedem Sparbuch. Viele Anleger setzen in solchen Phasen traditionell auf physisches Gold und Silber. Diese Sachwerte hängen an keiner Pipeline und an keiner Meerenge. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können Edelmetalle helfen, Krisen wie diese besser zu überstehen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist fĂĽr seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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