
Berliner Ukraine-Gipfel: Europas Symbolpolitik torpediert amerikanisch-russische AnnÀherung
Was als diplomatischer Durchbruch inszeniert werden sollte, entpuppt sich bei nĂŒchterner Betrachtung als weiterer Beweis fĂŒr die auĂenpolitische Orientierungslosigkeit Europas. Die vielbeachteten Berliner GesprĂ€che zur Ukraine-Krise haben nicht etwa Bewegung in den festgefahrenen Konflikt gebracht â sie haben ihn vielmehr weiter zementiert. Bundeskanzler Friedrich Merz, der sich gerne als besonnener Staatsmann prĂ€sentiert, hat mit seinem Auftreten die ohnehin fragilen amerikanisch-russischen Sondierungen faktisch ausgebremst.
GroĂe Gesten, wenig Substanz
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj reiste nach Berlin, die Kameras blitzten, die HĂ€nde wurden geschĂŒttelt. Doch was bleibt nach dem ganzen diplomatischen Theater? Die ernĂŒchternde Erkenntnis, dass ein ukrainisch-russischer Kompromiss weiterhin in unerreichbarer Ferne liegt. WĂ€hrend Washington und Moskau sich in den vergangenen Monaten â ausgehend vom Alaska-Gipfel im August und vertraulichen HerbstgesprĂ€chen â tatsĂ€chlich angenĂ€hert hatten, wurden diese zarten Fortschritte durch die europĂ€ische Einmischung praktisch zunichte gemacht.
Besonders pikant: Die Ergebnisse der Berliner Runde sollen nun nach Moskau weitergeleitet werden. Doch inhaltlich ist man keinen Millimeter vorangekommen. Ein klassisches Beispiel fĂŒr jene Art von Diplomatie, die viel Aufwand betreibt, aber wenig bewirkt.
Die Truppenfrage als Störfeuer
Was hat Europa konkret auf den Tisch gelegt? Allen voran die Idee einer multinationalen TruppenprĂ€senz in der Ukraine nach Kriegsende. Ein Vorschlag, der in europĂ€ischen HauptstĂ€dten als "aktive Friedenspolitik" verkauft wird, in Moskau jedoch seit Jahren auf kategorische Ablehnung stöĂt. Wer diese Karte dennoch ausspielt, muss sich fragen lassen, ob er tatsĂ€chlich an einer Lösung interessiert ist â oder ob es ihm primĂ€r um die eigene Profilierung geht.
Die europĂ€ischen VorschlĂ€ge haben weder RĂŒckendeckung aus Washington noch Akzeptanz in Moskau. Sie schaffen lediglich Erwartungen in Kiew, die spĂ€ter kaum erfĂŒllt werden können.
Dabei zeichnete sich zwischen Washington und Moskau durchaus ein möglicher Kompromiss ab: Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine ohne NATO-Mitgliedschaft. US-PrĂ€sident Donald Trump signalisierte Bereitschaft, Garantien auf einem Niveau anzubieten, das sich an Artikel 5 des NATO-Vertrags anlehnt. Kremlchef Wladimir Putin soll dies als verhandelbar betrachtet haben. Trump sprach sogar von einem "Durchbruch". Doch Europa beharrte weiterhin auf Maximalforderungen.
Die Donbass-Frage als PrĂŒfstein
Besonders deutlich wird das europĂ€ische Störfeuer beim Streit um den Donbass. Amerikanische UnterhĂ€ndler versuchten offenbar, mit Kiew eine schmerzhafte, aber konkrete Kompromissformel auszuloten: Sicherheitsgarantien im Austausch gegen einen RĂŒckzug ukrainischer Truppen aus der Donezker Oblast. Ein pragmatischer Ansatz, der zumindest eine Verhandlungsbasis hĂ€tte schaffen können.
Doch was tat Europa? Es stellte sich demonstrativ hinter Selenskyjs Ablehnung jeglicher territorialer ZugestĂ€ndnisse. Kanzler Merz erklĂ€rte kategorisch, allein die Ukraine entscheide ĂŒber territoriale Fragen. Eine Position, die moralisch integer klingen mag, praktisch aber jede Mitverantwortung fĂŒr schwierige Entscheidungen vermeidet â und gleichzeitig dazu beitrĂ€gt, dass diese Entscheidungen gar nicht erst getroffen werden.
Merz schiebt den schwarzen Peter weiter
Mit seiner Aussage, der "Ball liege nun bei Russland", schob der Bundeskanzler die Verantwortung demonstrativ von sich. Eine bequeme Haltung, die jedoch an der RealitĂ€t vorbeigeht. Allen Beteiligten ist klar, dass die entscheidenden offenen Fragen nur gemeinsam verhandelt werden können. Russland hat seine Position â im Gegensatz zu den EuropĂ€ern â seit Kriegsbeginn kaum verĂ€ndert. Die Frage ist nicht, ob Moskau sich bewegt, sondern ob der Westen bereit ist, unangenehme geopolitische RealitĂ€ten anzuerkennen.
Ein vertrautes Muster der Erfolglosigkeit
So steht der Verhandlungsprozess nun erneut an einem allzu vertrauten Punkt: groĂe Worte, viele Gipfeltreffen, doch am Ende wenig Substanz und schier unvereinbare Positionen. WĂ€hrend die Amerikaner offenbar bereit sind, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, und Moskau seine Maximalforderungen offen formuliert, verliert sich Europa einmal mehr in Symbolpolitik.
Das Berliner Treffen ist das beste Beispiel fĂŒr diese Misere. Moralisch mag ein solcher Sondierungsmarathon befriedigend sein â er erlaubt es den Beteiligten, sich als engagierte Friedensstifter zu prĂ€sentieren. Den Frieden in der Ukraine bringt er jedoch keinen Schritt nĂ€her. Im Gegenteil: Er riskiert, die wenigen Fortschritte zu gefĂ€hrden, die auf anderen KanĂ€len mĂŒhsam erzielt wurden.
Die Ukrainer selbst beklagen diese europĂ€ische Haltung ĂŒbrigens schon seit Kriegsbeginn vor ĂŒber vier Jahren. Sie wissen nur zu gut, dass wohlklingende SolidaritĂ€tsbekundungen aus BrĂŒssel und Berlin ihre StĂ€dte nicht vor russischen Raketen schĂŒtzen â und dass Maximalforderungen, die niemand durchsetzen kann, am Ende nur falsche Hoffnungen wecken.










