Kettner Edelmetalle
13.02.2026
06:13 Uhr

Berliner Stromanschlag entlarvt katastrophales Versagen im Katastrophenschutz

Was passiert, wenn in einer deutschen Millionenmetropole das Licht ausgeht? Nicht etwa durch eine Naturkatastrophe, sondern durch einen mutmaßlich linksextrem motivierten Anschlag? Dann offenbart sich in erschreckender Deutlichkeit, wie marode die Infrastruktur dieses Landes tatsĂ€chlich ist. Der Angriff auf eine KabelbrĂŒcke im Berliner SĂŒdwesten Anfang Januar, der rund 45.000 Haushalte von der Stromversorgung abschnitt, hat genau das getan: Er hat den Vorhang gelĂŒftet vor einem Katastrophenschutz, der diesen Namen kaum verdient.

LeuchttĂŒrme ohne Licht – eine Berliner Posse

Im betroffenen Bezirk Steglitz-Zehlendorf hĂ€tten sogenannte Katastrophenschutz-LeuchttĂŒrme als notstromversorgte Anlaufstellen fĂŒr die Bevölkerung dienen sollen. Das Konzept klingt vernĂŒnftig: Notstromaggregate, Funktechnik, geschultes Personal zur Lageinformation – alles bereit fĂŒr den Ernstfall. Nur war eben nichts bereit. Kein einziger dieser LeuchttĂŒrme war zum Zeitpunkt der Großschadenslage betriebsbereit. Das geht aus Antworten des Berliner Senats auf parlamentarische Anfragen des AfD-Abgeordneten Carsten Ubbelohde hervor.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine Millionenstadt, die sich als weltoffene Metropole inszeniert, schafft es nicht, grundlegende Notfallinfrastruktur funktionsfĂ€hig zu halten. Stattdessen wurde im Rathaus eine „Kat-L-Ă€hnliche Struktur" eingerichtet – was auch immer das im Ernstfall fĂŒr eine verĂ€ngstigte Bevölkerung bedeuten soll. Der Senat spricht davon, dass diese die vorgesehenen Leistungen „im Wesentlichen abdeckte". Im Wesentlichen. Ein Wort, das in einer Krisensituation so beruhigend wirkt wie ein Pflaster auf einer offenen Fraktur.

Ubbelohde: „Systematische IrrefĂŒhrung"

Der AfD-Abgeordnete Ubbelohde findet deutliche Worte fĂŒr das Versagen. Der Senat habe die Berliner „bewusst getĂ€uscht", indem er ein flĂ€chendeckendes Netz von Katastrophenschutz-LeuchttĂŒrmen versprochen habe, wĂ€hrend in der RealitĂ€t kein einziger funktionierte. Statt funktionierender Technik habe es „nur inszenierte PR-Bilder fĂŒr die Presse" gegeben. Ein Vorwurf, der schwer wiegt – und der angesichts der Faktenlage kaum von der Hand zu weisen ist.

Denn hier zeigt sich ein Muster, das weit ĂŒber Berlin hinausreicht: AnkĂŒndigungspolitik statt Umsetzung. Hochglanzkonzepte statt funktionierender Infrastruktur. Pressekonferenzen statt Notstromaggregate. Es ist die gleiche Krankheit, die Deutschland in so vielen Bereichen befallen hat – von der Digitalisierung ĂŒber die Bundeswehr bis hin zum Katastrophenschutz.

StromabhÀngige Patienten: Auf sich allein gestellt

Besonders erschreckend ist die Situation fĂŒr die SchwĂ€chsten der Gesellschaft. FĂŒr Menschen in hĂ€uslicher Pflege, die auf strombetriebene Medizintechnik wie BeatmungsgerĂ€te angewiesen sind, existiert in Berlin kein zentrales staatliches Register. Es fehle an einer „Rechtsgrundlage zur Erfassung, Speicherung und Verarbeitung" sowie an einer „Meldeverpflichtung", erklĂ€rt der Senat lapidar. Im Klartext: Der Staat weiß nicht einmal, wer bei einem Stromausfall in akuter Lebensgefahr schwebt.

Zu möglichen Komplikationen wie Hypothermie-FĂ€llen oder AusfĂ€llen medizinischer GerĂ€te liegen der Innenverwaltung und der Berliner Feuerwehr schlicht „keine Daten vor". Eine zentrale Erfassung sei nicht vorgesehen. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Was genau ist eigentlich vorgesehen? Und fĂŒr wen arbeitet dieser Staat noch, wenn er nicht einmal seine verwundbarsten BĂŒrger im Notfall schĂŒtzen kann?

Auch Pflegeheime ohne Notstrompflicht

Die strukturellen Defizite reichen noch tiefer. Das Berliner Wohnteilhabegesetz enthĂ€lt keinerlei Mindestanforderungen an die Notfallausstattung stationĂ€rer Pflegeeinrichtungen. Die Heimaufsicht verfĂŒgt ĂŒber keine Rechtsgrundlage, eine autarke Energieversorgung – etwa fĂŒr 72 Stunden – zu ĂŒberprĂŒfen, anzuordnen oder durchzusetzen. Eine gesetzlich verbindliche Notstrompflicht fĂŒr Pflegeheime? Fehlanzeige. Und das nicht nur in Berlin: Kein einziges Bundesland verfĂŒgt ĂŒber flĂ€chendeckende gesetzliche 72-Stunden-Vorgaben fĂŒr alle stationĂ€ren Einrichtungen.

Ein bundesweites Systemversagen

Berlin ist damit keine Ausnahme, sondern lediglich das Brennglas, durch das ein bundesweites Problem sichtbar wird. Weder in Bayern noch in Hessen, Hamburg oder Sachsen gibt es ein verpflichtendes staatliches Register fĂŒr heimbeatmete oder vergleichbar stromabhĂ€ngige Personen. Bundesweit setzt man auf freiwillige Eintragungsmöglichkeiten – ein Ansatz, der in der Praxis keine vollstĂ€ndige Erfassung gewĂ€hrleisten kann und im Ernstfall Menschenleben kosten könnte.

Immerhin: Bei der operativen BewĂ€ltigung der akuten Lage funktionierte der Rettungsdienst. Am Tag des Anschlags wurden 39 Transporte in KrankenhĂ€user durchgefĂŒhrt, in den Folgetagen kamen 77 weitere durch Katastrophenschutzeinheiten hinzu. Eine Triage sei nicht notwendig gewesen, da die Ressourcen fĂŒr eine individualmedizinische Versorgung ausgereicht hĂ€tten. Ein schwacher Trost angesichts der Tatsache, dass der Anschlag hĂ€tte weitaus schlimmer ausgehen können.

Linksextremismus und die GleichgĂŒltigkeit der Politik

Was bei der gesamten Debatte fast unterzugehen droht, ist die Frage nach den TĂ€tern. Ein mutmaßlich linksextrem motivierter Anschlag auf kritische Infrastruktur – und die politische Reaktion? Überschaubar. Man stelle sich nur fĂŒr einen Moment vor, der Anschlag wĂ€re von der anderen Seite des politischen Spektrums verĂŒbt worden. Die mediale und politische Empörung wĂ€re grenzenlos gewesen, Sondersendungen hĂ€tten sich ĂŒberschlagen, und Forderungen nach hĂ€rterem Durchgreifen wĂ€ren im Minutentakt formuliert worden.

Stattdessen herrscht eine bemerkenswerte Gelassenheit. WĂ€hrend Deutschland Milliarden fĂŒr ideologische Projekte ausgibt, fĂŒr Genderbeauftragte und Klimakonferenzen, fĂŒr Willkommenskultur und Transformationsfonds, fehlt es an den grundlegendsten Dingen: an funktionierenden Notstromaggregaten, an Registern fĂŒr gefĂ€hrdete BĂŒrger, an gesetzlichen Mindeststandards fĂŒr Pflegeeinrichtungen. Die PrioritĂ€ten dieser Republik sind so verschoben, dass es einem die Sprache verschlĂ€gt.

Der Berliner Stromanschlag war ein Weckruf. Die Frage ist nur, ob ihn jemand hört – oder ob die politische Klasse weiter in ihrer selbstgefĂ€lligen Blase verharrt, bis der nĂ€chste Blackout kommt. Und der wird kommen. Nicht ob, sondern wann. Darauf sollte sich jeder BĂŒrger einstellen – denn auf den Staat, das hat Berlin eindrucksvoll bewiesen, kann er sich im Ernstfall nicht verlassen.

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