
Berliner Elektrobus-Desaster: Fast 120 Fahrzeuge stehen still â Verkehrswende auf dem Abstellgleis

Was als Vorzeigeprojekt der grĂŒnen MobilitĂ€tswende gefeiert wurde, entpuppt sich nun als kostspieliges Fiasko. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mĂŒssen eingestehen, dass fast 120 ihrer Elektrobusse derzeit nicht einsatzfĂ€hig sind. Die komplette Flotte des niederlĂ€ndischen Herstellers Ebusco â stolze 90 Fahrzeuge â steht still. Hinzu kommen knapp 30 weitere E-Busse anderer Hersteller. Ein Sinnbild fĂŒr die ĂŒberhastete Energiewende, die mehr verspricht als sie halten kann.
Risse im Rahmen â und im Konzept der Verkehrswende
Der Grund fĂŒr das Ebusco-Debakel klingt zunĂ€chst harmlos: Bei Routinekontrollen wurden kleine Risse am Fahrzeugrahmen festgestellt. Ein Sprecher der BVG betonte zwar pflichtschuldig, dass zu keinem Zeitpunkt ein Sicherheitsrisiko bestanden habe. Doch die Konsequenz ist eindeutig: SĂ€mtliche betroffenen Busse bleiben bis zur Instandsetzung abgestellt. Ein klassischer Garantiefall, der jedoch die gesamte Flottenplanung ĂŒber den Haufen wirft.
Die Kritik an der VerarbeitungsqualitĂ€t der Ebusco-Busse ist dabei keineswegs neu. Bereits kurz nach der Auslieferung hĂ€uften sich die Beschwerden: Fehlender Unterbodenschutz, mangelhafte SchweiĂnĂ€hte, Rostbildung und abgebrochene Gewindebohrer â eine erschreckende Bilanz fĂŒr Fahrzeuge, die als Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs angepriesen wurden. Dass der niederlĂ€ndische Hersteller seit 2024 zudem mit einer wirtschaftlichen Krise kĂ€mpft, macht die Situation nicht besser. Nach Insiderangaben sollen die Reparaturen erst ab FrĂŒhjahr 2026 beginnen â ein Zeitraum, der die Geduld der Berliner FahrgĂ€ste auf eine harte Probe stellen dĂŒrfte.
Dieselbusse als Rettungsanker â die Ironie der Energiewende
Die BVG reagiert auf die Krise mit einer bemerkenswerten Kehrtwende: Die Ausmusterung Ă€lterer Dieselfahrzeuge wurde vorerst ausgesetzt. Ausgerechnet jene Busse, die eigentlich lĂ€ngst durch ihre elektrischen Nachfolger ersetzt werden sollten, mĂŒssen nun den Betrieb am Laufen halten. Mehr noch: FĂŒr den umfangreichen Schienenersatzverkehr, etwa auf der U6, mietet die BVG zusĂ€tzliche Euro-6-Dieselbusse an.
Die Situation offenbart ein grundsÀtzliches Problem der deutschen Verkehrspolitik. Jahrelang wurde die Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs als alternativlos propagiert, Milliarden an Steuergeldern flossen in die Anschaffung von E-Bussen. Doch wenn diese Fahrzeuge dann reihenweise ausfallen, fehlt plötzlich der Plan B. Die AbhÀngigkeit von einzelnen Herstellern und die mangelnde Diversifizierung der Flotte rÀchen sich nun bitter.
Auch Mercedes und Solaris betroffen
Das Elektrobus-Problem beschrĂ€nkt sich keineswegs auf Ebusco. Auch E-Busse der Typen Mercedes-Benz Citaro und Solaris Urbino Electric stehen derzeit still. Die WerkstĂ€tten arbeiten am Limit, um die Fahrzeuge wieder einsatzfĂ€hig zu machen. Gleichzeitig laufen planmĂ€Ăige Wartungen und Unfallinstandsetzungen, die Personal und KapazitĂ€ten binden. Das Ergebnis: Die elektrischen Stadtbusse sind nicht in der vorgesehenen StĂŒckzahl verfĂŒgbar, obwohl sie im TagesgeschĂ€ft fest eingeplant waren.
Doppeldecker-Mangel verschÀrft die Lage
Als wĂ€re die Situation nicht bereits angespannt genug, fallen auch bei den klassischen Doppeldeckerbussen zahlreiche Fahrzeuge aus. Von mehr als 190 Doppeldeckern der Typen ADL DL20 und DL21 stehen derzeit 36 Fahrzeuge nicht zur VerfĂŒgung. Die BVG spricht von Werkstattaufenthalten und einzelnen UnfallschĂ€den. Ein Sprecher rĂ€umte ein, dass die Zahl einsatzfĂ€higer Fahrzeuge leicht unter dem Zielniveau liege â eine diplomatische Umschreibung fĂŒr ein handfestes KapazitĂ€tsproblem.
Besonders auf stark nachgefragten Strecken macht sich der Mangel bemerkbar. Doppeldeckerbusse bieten deutlich mehr SitzplĂ€tze als Standardbusse und lassen sich nicht ohne Weiteres ersetzen. Die FahrgĂ€ste mĂŒssen sich auf ĂŒberfĂŒllte Busse und lĂ€ngere Wartezeiten einstellen.
Ein LehrstĂŒck gescheiterter Planwirtschaft
Die Berliner Elektrobus-Krise ist mehr als nur ein technisches Problem â sie ist ein Symptom einer Politik, die ideologische Ziele ĂŒber praktische Machbarkeit stellt. Die ĂŒberstĂŒrzte Umstellung auf ElektromobilitĂ€t, ohne ausreichende Erprobung der Fahrzeuge und ohne belastbare Reservekonzepte, fĂŒhrt nun zu genau jenen Verwerfungen, vor denen Kritiker seit Jahren warnen.
WĂ€hrend die Berliner FahrgĂ€ste die Konsequenzen dieser verfehlten Politik tĂ€glich zu spĂŒren bekommen, dĂŒrfte in den Chefetagen der BVG und in den zustĂ€ndigen Ministerien hektische Betriebsamkeit herrschen. Die Frage, wer fĂŒr dieses Desaster die Verantwortung trĂ€gt, wird sich nicht so leicht beantworten lassen. Fest steht jedoch: Die Rechnung zahlt am Ende der Steuerzahler â und der Berliner Fahrgast, der im ĂŒberfĂŒllten Dieselbus steht, wĂ€hrend die teuren Elektrobusse auf dem Betriebshof vor sich hin rosten.










