
Belgiens Gas-Offenbarung: Im Juli kam jede LNG-Ladung aus Russland

BrĂŒssel/ZeebrĂŒgge â Belgien hat im Juli 2026 sein komplettes importiertes FlĂŒssigerdgas aus Russland bezogen. Rund 0,4 Millionen Tonnen russisches LNG liefen im Hafen von ZeebrĂŒgge ein, wĂ€hrend die Gesamtimporte binnen eines Jahres um mehr als 40 Prozent einbrachen. Ein Vorgang, der die europĂ€ische Energiepolitik in einem unangenehmen Licht erscheinen lĂ€sst â nur wenige Monate vor dem geplanten EU-Verbot.
Wenn der Nahe Osten ausfÀllt, klopft Moskau an
Der Grund fĂŒr die RĂŒckkehr zur russischen Monokultur liegt Berichten zufolge weniger in BrĂŒsseler Wohlwollen als in harter Logistik: Die KĂ€mpfe im Nahen Osten haben den Schiffsverkehr durch die StraĂe von Hormus massiv gestört. Damit fehlten Lieferungen aus der Golfregion.
Gleichzeitig bremsten hohe Preise zusĂ€tzliche EinkĂ€ufe fĂŒr den kommenden Winter. Ăbrig blieb, was verfĂŒgbar war â russische Ladungen. Zuletzt hatte Belgien Anfang 2021 sein FlĂŒssigerdgas ausschlieĂlich aus Russland bezogen.
Zur Einordnung: Es geht hier ausdrĂŒcklich nur um LNG. Pipelinegas erhĂ€lt Belgien weiterhin aus Norwegen und GroĂbritannien. Russland lieferte also nicht das gesamte belgische Gas â aber jeden einzelnen Tanker.
ZeebrĂŒgge: Die Drehscheibe, die auch Deutschland versorgt
FĂŒr deutsche Verbraucher ist das keine belgische Randnotiz. ZeebrĂŒgge zĂ€hlt zu den wichtigsten LNG-UmschlagplĂ€tzen Nordwesteuropas. Dort wird das FlĂŒssiggas regasifiziert und in das europĂ€ische Verbundnetz eingespeist â von wo es weiter Richtung Deutschland und Niederlande flieĂen kann.
Der Netzbetreiber Fluxys speiste 2025 insgesamt 480 Terawattstunden Gas in das belgische Netz ein. Die FlĂŒsse nach Deutschland und in die Niederlande stiegen gegenĂŒber 2024 um fast 40 Prozent. Diese Mengen umfassen allerdings alle HerkunftslĂ€nder.
Und hier wird es pikant: Nach der Einspeisung ins Netz lĂ€sst sich einzelnen MolekĂŒlen ihre Herkunft nicht mehr ansehen. Wer glaubt, russisches Gas sei aus dem deutschen Netz verbannt, verwechselt Buchhaltung mit Physik.
Das Verbot kommt â aber erst 2027
Die EU untersagt russisches LNG aus langfristigen AltvertrĂ€gen ab dem 1. Januar 2027. Kurzfristige AltvertrĂ€ge durften nur bis zum 25. April 2026 laufen. FĂŒr russisches Pipelinegas endet die Frist grundsĂ€tzlich am 30. September 2027, bei Versorgungsproblemen ist eine VerlĂ€ngerung bis zum 1. November möglich.
Das 21. Sanktionspaket erlaubt zudem vorĂŒbergehend Transfers russischer LNG-Mengen in Drittstaaten â zunĂ€chst fĂŒr ein Jahr, mit strengen Meldepflichten und Mengengrenzen. Eine Ăffnung des EU-Marktes sei damit nicht verbunden, es gehe um die rechtliche Absicherung bestehender VertragsfĂ€lle.
Die LĂŒcke zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Aus Sicht unserer Redaktion legt Belgiens Juli-Bilanz den Kern des europĂ€ischen Dilemmas offen: Wer Versorgungswege aufgibt, ohne belastbaren Ersatz zu sichern, ist bei der nĂ€chsten geopolitischen Störung wieder dort, wo er nie mehr sein wollte. Ein Konflikt am Golf â und der Markt entscheidet, nicht das Sanktionspapier.
Kritiker der europĂ€ischen Energiepolitik sehen darin eine BestĂ€tigung ihrer Warnungen: Politische Zielvorgaben ersetzen keine Infrastruktur. FĂŒr BĂŒrger und Industrie in Deutschland bedeutet das im Zweifel höhere Preise und wachsende Unsicherheit.
Wer sein Vermögen gegen solche Verwerfungen absichern will, denkt traditionell ĂŒber Sachwerte nach. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten seit Jahrhunderten als bewĂ€hrte ErgĂ€nzung in einem breit gestreuten Portfolio â unabhĂ€ngig von Lieferketten und politischen Fristen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenstĂ€ndig recherchieren beziehungsweise unabhĂ€ngigen Rat einholen. Die Einordnungen entsprechen unserer Meinung auf Basis der uns vorliegenden Informationen.
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