Kettner Edelmetalle
17.02.2026
19:10 Uhr

Bayer zahlt weitere 10,5 Milliarden Dollar im Roundup-Skandal – und die Aktie steigt

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Konzern, der Milliarden zahlt, weil sein Unkrautvernichter im Verdacht steht, Krebs zu verursachen, wird dafĂŒr an der Börse auch noch belohnt. Die Bayer-Aktie legte nach Bekanntgabe eines neuen Vergleichspakets in Höhe von 10,5 Milliarden US-Dollar so stark zu wie seit drei Monaten nicht mehr. Willkommen in der bizarren Welt der modernen FinanzmĂ€rkte.

Der Fluch der Monsanto-Übernahme

Es war das Jahr 2018, als Bayer den US-Saatgutriesen Monsanto fĂŒr rund 63 Milliarden Dollar schluckte – und sich damit ein juristisches Minenfeld einhandelte, das seinesgleichen sucht. Roundup, das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Vereinigten Staaten, wurde zum Albtraum fĂŒr den Leverkusener Chemiegiganten. Tausende KlĂ€ger machten und machen geltend, dass der Wirkstoff Glyphosat bei ihnen Non-Hodgkin-Lymphome und andere Krebserkrankungen ausgelöst habe – sei es durch den privaten Gebrauch im Garten oder den beruflichen Einsatz in der Landwirtschaft.

Bereits rund 10 Milliarden Dollar hatte Bayer bis 2020 aufgewendet, um den Großteil der damals anhĂ€ngigen Klagen beizulegen. Doch der Versuch, auch kĂŒnftige Forderungen durch einen umfassenden Vergleich abzudecken, scheiterte klĂ€glich. Seitdem strömten immer neue Klagen in die GerichtssĂ€le – ein nicht enden wollender Strom juristischer Forderungen, der den Konzern wie ein MĂŒhlstein am Hals nach unten zog.

Die neue Strategie: 7,5 plus 3 Milliarden

Nun also der nĂ€chste Anlauf. Bayer schlug einen Sammelklagevergleich ĂŒber 7,5 Milliarden Dollar vor, eingereicht vor einem Gericht im US-Bundesstaat Missouri. Dieser soll nicht nur bereits eingereichte Klagen abdecken, sondern auch potenzielle AnsprĂŒche, die ĂŒber einen Zeitraum von 20 Jahren noch erhoben werden könnten. ZusĂ€tzlich einigte sich der Konzern auf weitere 3 Milliarden Dollar zur Beilegung bestehender US-Klagen.

Bayer-Chef Bill Anderson bezeichnete den Vergleich als „wichtige ErgĂ€nzung" zum laufenden Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof der USA. Man wolle die rechtlichen Risiken so umfassend wie möglich minimieren, so Anderson. Beide Elemente – der Vergleich und das Supreme-Court-Verfahren – seien unabhĂ€ngig voneinander notwendig und wĂŒrden sich gegenseitig verstĂ€rken.

Ein deutsches Trauerspiel

Was hier als cleverer Schachzug gefeiert wird, ist bei nĂŒchterner Betrachtung nichts anderes als die Fortsetzung eines der teuersten Unternehmensfehler der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Über 20 Milliarden Dollar hat Bayer mittlerweile insgesamt fĂŒr Roundup-Vergleiche aufgewendet oder zugesagt – eine Summe, die selbst hartgesottene Finanzanalysten schlucken lĂ€sst. Dass die Aktie dennoch steigt, zeigt nur, wie sehr die MĂ€rkte bereits das Schlimmste eingepreist hatten. Die Erleichterung darĂŒber, dass endlich ein Deckel auf die Klagewelle gesetzt werden könnte, ĂŒberwiegt offenbar die BestĂŒrzung ĂŒber die astronomischen Kosten.

FĂŒr den deutschen Anleger bleibt die bittere Erkenntnis: Ein einstiges Kronjuwel der deutschen Industrie hat sich durch eine einzige Übernahme in ein juristisches Dauerschlachtfeld verwandelt. WĂ€hrend das Management von „Risikominimierung" spricht, dĂŒrften sich viele AktionĂ€re fragen, ob der Preis fĂŒr diese Lektion nicht ein wenig zu hoch ausgefallen ist. Wer sein Vermögen langfristig schĂŒtzen möchte, sollte sich einmal mehr die Frage stellen, ob nicht physische Edelmetalle wie Gold und Silber als krisenfeste Beimischung im Portfolio die klĂŒgere Wahl darstellen – frei von Klagewellen, Managementfehlern und politischen UnwĂ€gbarkeiten.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfĂ€ltiger Recherche basieren. Wir ĂŒbernehmen keine Haftung fĂŒr finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden. Konsultieren Sie im Zweifel einen qualifizierten Finanzberater.

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