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26.01.2026
08:02 Uhr

Ausverkauf der Energiesicherheit: Deutschland gibt erneut kritische Infrastruktur aus der Hand

Ausverkauf der Energiesicherheit: Deutschland gibt erneut kritische Infrastruktur aus der Hand

Es ist ein DĂ©jĂ -vu der besonderen Art, das sich derzeit in der deutschen Energiepolitik abspielt. WĂ€hrend die TrĂŒmmer der Nord-Stream-Pipelines noch immer auf dem Grund der Ostsee liegen und die strafrechtliche AufklĂ€rung der Sabotage politisch verschleppt wird, wandert bereits das nĂ€chste StĂŒck kritischer Infrastruktur in auslĂ€ndische HĂ€nde. Der Tanklager- und Pipelinebetreiber TanQuid gehört nun dem amerikanischen Konzern Sunoco – einem Unternehmen mit besten Verbindungen ins Weiße Haus.

Ein Deal mit brisantem Hintergrund

Das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche hat den Verkauf am 16. Januar genehmigt. Erst jetzt wurde der Deal öffentlich bekannt. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Unternehmenstransaktion erscheint, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als strategisches Versagen ersten Ranges. TanQuid betreibt nicht irgendwelche Lagerhallen – das Unternehmen kontrolliert 15 Tanklager in mehreren BundeslĂ€ndern sowie Pipelines mit einer GesamtlĂ€nge von ĂŒber 1000 Kilometern.

Besonders brisant: Ein 49-Prozent-Anteil an einer Fernleitungsbetriebsgesellschaft, ĂŒber die Kerosin fĂŒr militĂ€risch relevante FlugplĂ€tze der Bundeswehr transportiert wird, gehört nun mittelbar zu einem Konzern, dessen Muttergesellschaft Energy Transfer von Kelcy Warren gefĂŒhrt wird – einem bekennenden Großspender und engen VerbĂŒndeten von US-PrĂ€sident Donald Trump.

Die Lehren aus Nord Stream: Nicht gezogen, nicht verstanden

Man könnte meinen, die deutsche Politik hĂ€tte aus dem Nord-Stream-Desaster gelernt. Jahrelang profitierte die Bundesrepublik von gĂŒnstigem russischem Gas, ohne jemals die Kontrolle ĂŒber die eigene Versorgungsinfrastruktur zu sichern. Gazprom hielt 51 Prozent an den Pipelines, der grĂ¶ĂŸte deutsche Gasspeicher in Rehden gehörte einer Gazprom-Tochter. Als Russland 2022 den Gashahn zudrehte und die Pipelines kurz darauf zerstört wurden, stand Deutschland hilflos da.

Die Reaktion der damaligen Scholz-Regierung war bezeichnend: politische Defensive statt offensiver AufklĂ€rung, Schadensbegrenzung statt strategischer Neuausrichtung. Die Energiekrise mit explodierenden Preisen traf Industrie und BĂŒrger gleichermaßen hart. Und was hat die neue Regierung unter Friedrich Merz daraus gelernt? Offensichtlich nichts.

Schwedt: Ein sensibler Knotenpunkt in fremder Hand

In Brandenburg betreibt TanQuid Infrastruktur im Raum Schwedt/Oder – einem der sensibelsten Energieknoten Ostdeutschlands. Die Region versorgt Berlin und Brandenburg mit Kraftstoffen und war bereits mehrfach Gegenstand energiepolitischer Kontroversen. Dass ausgerechnet diese strategisch bedeutsame Infrastruktur nun unter die Kontrolle eines trumpnahen US-Konzerns gerĂ€t, wirft fundamentale Fragen auf.

Energieinfrastruktur ist kein gewöhnliches Asset. Sie entscheidet im Krisenfall ĂŒber Versorgung, Preise, militĂ€rische EinsatzfĂ€higkeit und politische Handlungsfreiheit.

Transatlantische Partnerschaft oder naive AbhÀngigkeit?

Es geht hier nicht um antiamerikanische Reflexe oder grundsĂ€tzliches Misstrauen gegenĂŒber den Vereinigten Staaten. Die Frage ist vielmehr: Kann sich ein Land, das gerade erst die bittere Erfahrung einer EnergieabhĂ€ngigkeit von Russland gemacht hat, leisten, dieselben Fehler mit einem anderen Partner zu wiederholen? Donald Trump hat in seiner zweiten Amtszeit unmissverstĂ€ndlich klargemacht, dass amerikanische Interessen kompromisslos durchgesetzt werden – notfalls auch gegen europĂ€ische VerbĂŒndete.

Die massiven Zollerhöhungen von 20 Prozent auf EU-Importe sprechen eine deutliche Sprache. Wer glaubt, dass ein Konzern mit derart engen Verbindungen zur Trump-Administration im Krisenfall deutsche Interessen ĂŒber amerikanische stellen wĂŒrde, der hat die geopolitischen RealitĂ€ten des 21. Jahrhunderts nicht verstanden.

Resilienz: Das Fremdwort der deutschen Energiepolitik

Was Deutschland brĂ€uchte, wĂ€re eine Strategie der energiepolitischen SouverĂ€nitĂ€t. Kritische Infrastruktur gehört in staatliche oder zumindest in nationale Hand. Wer Pipelines, Tanklager und Speicher kontrolliert, hat Macht. Wer sie nicht kontrolliert, kann nur reagieren – und das meist zu spĂ€t und zu teuer.

Stattdessen wiederholt die Bundesregierung ein bekanntes Muster: Man genehmigt, man prĂŒft formal, man macht Auflagen – und am Ende wandert die Kontrolle dennoch ins Ausland. Die strukturelle Leerstelle in der deutschen Energiepolitik besteht fort. Sie ist grĂ¶ĂŸer denn je. Und sie wird sich rĂ€chen, wenn die nĂ€chste Krise kommt. Denn eines ist sicher: Sie wird kommen.

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