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09.10.2026
12:14 Uhr
KI-generiert

Apple-Kehrtwende in Brüssel: Kommt jetzt die Alterskontrolle für alle?

Apple-Kehrtwende in Brüssel: Kommt jetzt die Alterskontrolle für alle?
Symbolbild: KI-generiert

Apple-Verwaltungsratschef Tim Cook hat am 6. Oktober 2026 im Europäischen Parlament in Straßburg den geplanten EU-KIDS-Act gelobt. Der Gesetzentwurf der EU-Kommission würde Altersprüfungen in sozialen Netzwerken, App-Stores und Betriebssystemen zur Pflicht machen. Ausgerechnet der Konzern, der sich jahrelang als Datenschützer verkauft, stellt sich damit hinter eines der umstrittensten Digitalprojekte Brüssels.

Lob aus Cupertino, Applaus in Straßburg

Cook zeigte sich bei seinem Besuch nach eigenen Worten „sehr ermutigt“. Der Vorschlag habe eine konstruktive Debatte über den Online-Schutz Minderjähriger angestoßen. Ausdrücklich begrüßte er die Arbeit an einem „harmonisierten, europaweiten Rahmen zum Schutz von Kindern“. Er traf unter anderem Parlamentspräsidentin Roberta Metsola.

Der Besuch kam nicht aus heiterem Himmel. Schon Ende September hatte sich Cook am Rande der UN-Vollversammlung in New York mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen getroffen. Laut ihrem Beitrag auf X sei man sich einig gewesen, wie wichtig Privatsphäre, Sicherheit und Schutz für Kinder seien. Bemerkenswert: Den Chefposten bei Apple hat Cook Medienberichten zufolge Anfang September an John Ternus abgegeben. Als Executive Chairman ist er offenbar zum obersten Diplomaten des Konzerns geworden.

Was Brüssel konkret plant

Die Kommission hat den KIDS-Act am 17. September 2026 vorgelegt. Die wichtigsten Punkte:

  • Für Kinder unter 13 Jahren sollen Social-Media-Konten verboten sein.
  • 13- und 14-Jährige sollen nur „Mini-Konten“ nutzen dürfen, die über die Eltern laufen. Laut Kommission sind die Funktionen eingeschränkt und die Nutzung auf eine Stunde pro Tag begrenzt.
  • Ein eigenes Konto gibt es erst ab 15 Jahren.
  • App-Stores und Betriebssysteme müssen ungeeignete Apps für Minderjährige sperren und zertifizierte EU-Lösungen zur Altersprüfung anbieten.

Der eigentliche Kern ist die Altersprüfung. Sie betrifft nicht nur Kinder, sondern grundsätzlich alle Nutzer, auch bestehende Konten. Brüssel verspricht, die hauseigene EU-Prüf-App speichere weder Ausweisdokumente noch biometrische Daten. Die Lösung baut allerdings auf derselben Technik auf wie die EU-Digital-Identity-Wallet. Wer da nicht hellhörig wird, hat die Geschichte der europäischen Regulierung verschlafen.

In Texas dagegen, in Europa dafür?

Der Widerspruch ist schwer zu übersehen. In den USA hatte Apple gegen ein texanisches Gesetz zur Altersprüfung in App-Stores argumentiert. Das Gesetz zwinge dazu, sensible persönliche Identifikationsdaten zu sammeln, selbst bei Nutzern, die bloß eine Wetter-App laden wollten. Nach dieser Logik funktioniert jedoch auch der europäische Entwurf.

Bürgerrechtler wie die Electronic Frontier Foundation lehnen solche „Age Gates“ grundsätzlich ab. Sie sehen darin eine Gefahr für die Bürgerrechte und eine Infrastruktur, die sich später für weitergehende Kontrollen nutzen lasse. Was einmal gebaut ist, wird selten wieder abgerissen.

Ein Muster, das Sorgen macht

Kritiker verweisen auf die USA. Dort hat Meta Medienberichten zufolge mit mehreren Bundesstaaten einen Vergleich geschlossen, der als Kinderschutz-Deal gilt. Er soll faktisch eine Altersprüfung für sämtliche Nutzer vorsehen. Wer sich nicht verifiziere, werde demnach nach 14 Tagen wie ein Minderjähriger behandelt. Die Arbeitsteilung, die Beobachter darin erkennen: Der Staat sorgt für Legitimation und Druck, der Konzern liefert die Technik.

Wer profitiert wirklich?

Kinder brauchen Schutz vor süchtig machenden Algorithmen. Das bestreitet niemand. Die Frage ist, ob dafür jeder erwachsene Bürger seine Identität nachweisen muss, bevor er eine App herunterlädt. Eigentlich sind die Eltern für ihre Kinder verantwortlich. Brüssel überträgt diese Aufgabe nun an Behörden und Tech-Giganten.

Für Apple dürfte die Rechnung aufgehen. Der Konzern lag jahrelang mit der Kommission über Kreuz und hat sich erst kürzlich mit ihr auf neue App-Store-Regeln geeinigt. Wer die Altersprüfung selbst technisch umsetzt, sitzt beim Regelwerk mit am Tisch und kontrolliert ein Nadelöhr, an dem kein Konkurrent vorbeikommt.

Noch ist nichts entschieden. Parlament und Rat müssen dem Entwurf zustimmen. Bei vergleichbaren Verfahren dauert das Fachleuten zufolge im Schnitt etwa zwei Jahre. In welche Richtung es geht, ist aber klar. Für die Bürger heißt das: Sie sollten die Debatte jetzt genau verfolgen, bevor die Altersprüfung für alle fest eingeführt ist.

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