
5000 Wachleute bei der Bahn: Wenn Bahnhöfe zur Sicherheitszone werden

Die Deutsche Bahn rĂŒstet auf â nicht bei Schienen und Weichen, sondern beim Wachpersonal. Innerhalb von zwölf Monaten stieg die Zahl der fĂŒr den Konzern eingesetzten SicherheitskrĂ€fte von 4500 auf 5000. Das teilte ein Bahnsprecher auf Anfrage eines Medienhauses mit, die Zahlen beziehen sich auf den Stand Mai 2026.
Ein Plus von rund elf Prozent in nur einem Jahr. Zum Vergleich: Im Bereich âService am Bahnhofâ arbeiteten Ende 2025 etwa 6800 Menschen. Auf zehn ServicekrĂ€fte kommen damit rechnerisch mehr als sieben Wachleute.
Wenn Aufpassen fast so viel Personal bindet wie Helfen
Diese Relation sagt mehr ĂŒber den Zustand des Landes aus als jede Sonntagsrede. Ein Bahnhof war einmal ein Ort des Ankommens, des Abschieds, der Reiselust. Heute ist er fĂŒr viele FahrgĂ€ste vor allem eines: ein Ort, an dem man abends lieber nicht lĂ€nger als nötig verweilt.
Die Bahn selbst begrĂŒndet den Personalaufbau breiter: Man investiere verstĂ€rkt in operatives Personal, um das wachsende Fahrgastaufkommen zu bewĂ€ltigen, altersbedingte AbgĂ€nge auszugleichen und den Betrieb robuster aufzustellen. Rund 20.000 neue Mitarbeiter sollen allein in diesem Jahr eingestellt werden, darunter etwa 5200 NachwuchskrĂ€fte.
Auch beim Zugpersonal wuchsen die Zahlen: Ende 2025 waren rund 13.100 BeschĂ€ftigte im âService im Zugâ tĂ€tig, 2020 waren es 12.300. Die Zahl der LokfĂŒhrer stieg im selben Zeitraum von etwa 19.300 auf 20.200. Doch kein Bereich legte prozentual so schnell zu wie die Sicherheit.
Die amtlichen Zahlen sind ernĂŒchternd
Wie es an Deutschlands Bahnhöfen tatsÀchlich zugeht, zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage aus dem Februar 2026. Nach vorlÀufigen Zahlen der Bundespolizei wurden im Jahr 2025 im Bahnbereich registriert:
- 27.818 Gewaltdelikte (2024: 27.150)
- 2209 Sexualdelikte
- 1578 Waffendelikte â nach 1234 im Vorjahr
- 52.849 Eigentumsdelikte
Besonders auffĂ€llig ist der Sprung bei den Waffendelikten: ein Anstieg um fast 28 Prozent binnen eines Jahres. Bei den Gewaltdelikten fĂŒhrte die Statistik den Angaben zufolge 11.274 deutsche und 9.091 nicht-deutsche TatverdĂ€chtige, bei ĂŒber 6400 FĂ€llen blieb die Staatsangehörigkeit unbekannt. Medienberichten zufolge verzeichnete der Leipziger Hauptbahnhof 2025 mit 859 Gewaltdelikten die höchste Zahl bundesweit.
Sicherheit als teurer Reparaturbetrieb
Aus Sicht unserer Redaktion offenbaren diese Zahlen ein politisches VersĂ€umnis, das sich nicht mehr wegmoderieren lĂ€sst. Wenn ein Staatskonzern Jahr fĂŒr Jahr mehr privates Wachpersonal einkaufen muss, um Reisende und eigene Mitarbeiter zu schĂŒtzen, dann ĂŒbernimmt am Ende der Fahrgast die Rechnung â ĂŒber Ticketpreise und Steuermittel.
Kritiker der Migrations- und Sicherheitspolitik der vergangenen Jahre sehen darin eine direkte Folge zu lange aufgeschobener Entscheidungen. FĂŒr viele BĂŒrger ist es schlicht eine Zumutung: Der Staat hat das Gewaltmonopol â organisiert wird die Ordnung an Bahnsteigen aber zunehmend von Sicherheitsdiensten.
Mehr Wachleute lösen kein Problem. Sie verwalten es. Was fehlt, ist eine Politik, die Ursachen angeht statt Symptome zu bewachen.










