Kettner Edelmetalle

Tether: Vom Krypto-Gigant zum weltgrößten privaten Goldhalter

01.12.2025VideoKettner Edelmetalle

Es ist eine jener Nachrichten, die in den großen Wirtschaftsredaktionen bestenfalls als Randnotiz auftauchen – und doch das Potenzial haben, die Tektonik des globalen Finanzsystems grundlegend zu verschieben. Ein Unternehmen aus der Kryptowelt, bekannt für die Emission des weltweit größten Stablecoins, hat sich still und leise zum größten privaten Goldhalter der Welt aufgeschwungen. Die Rede ist von Tether – und was dort geschieht, verdient weit mehr Aufmerksamkeit, als ihm derzeit zuteilwird.

Tether: Vom Stablecoin-Giganten zum Gold-Koloss

Tether, der Emittent des USDT-Stablecoins mit einer Marktkapitalisierung von über 184 Milliarden Dollar, hat allein im dritten Quartal 2025 rund 26 Tonnen physisches Gold erworben. Das ist mehr, als jede einzelne Zentralbank der Welt im selben Zeitraum offiziell gemeldet hat. Wohlgemerkt: offiziell – denn Länder wie China sind bekannt dafür, ihre tatsächlichen Goldkäufe nur selektiv zu kommunizieren.

Der Gesamtbestand des Unternehmens ist damit auf etwa 116 Tonnen physisches Gold angewachsen, was rund 3,3 Millionen Feinunzen entspricht. Um diese Zahl einzuordnen: Tether besitzt inzwischen mehr Gold als Staaten wie Ungarn oder Griechenland und nähert sich den Reserven von Mexiko und Singapur.

Ein privates Unternehmen, dessen Kerngeschäft eigentlich die digitale Abbildung des US-Dollars ist, hortet mehr Gold als souveräne Nationen. Das ist kein Zufall – das ist ein Signal.

Warum ein Krypto-Unternehmen physisches Gold kauft

Die naheliegende Erklärung wäre, dass Tether das Gold für seinen goldgedeckten Token XAUT benötigt. Jeder XAUT-Token repräsentiert eine Feinunze physisches Gold, gelagert in Schweizer Tresoren. Doch diese Erklärung greift viel zu kurz.

Von den 116 Tonnen Gold sind lediglich 12 Tonnen für den XAUT-Token hinterlegt. Die restlichen 104 Tonnen dienen einem ganz anderen Zweck: Sie bilden zunehmend die Reservebasis für den USDT – jenen Dollar-Stablecoin, der als Rückgrat des gesamten Krypto-Handels fungiert.

Normalerweise ist USDT mit US-Staatsanleihen und Cash-Äquivalenten gedeckt. Doch Tether vollzieht einen strategischen Schwenk, der Bände spricht. Das Unternehmen tauscht systematisch Staatsanleihen gegen physisches Gold aus. Die Gründe dafür sind so offensichtlich wie beunruhigend:

  • Steigende Zinsen haben die Kurse langlaufender US-Anleihen in den letzten drei Jahren um satte 50% einbrechen lassen
  • Die US-Staatsverschuldung wächst ungebremst weiter und untergräbt das Vertrauen in amerikanische Schuldtitel
  • Geopolitische Spannungen, Kriege und die fortschreitende Entdollarisierung setzen dem Greenback zusätzlich zu
  • Der US-Dollar hat allein in diesem Jahr rund 8% an Wert verloren, gemessen am Dollar-Index (DXY)

Das Ende des blinden Vertrauens in Fiat-Währungen

Was Tether hier praktiziert, ist im Grunde nichts anderes als das, was kluge Vermögensverwalter seit Jahrhunderten tun: Sie ersetzen Papierversprechen durch reale Werte. Der fundamentale Unterschied zwischen Fiat-Geld und Gold lässt sich auf einen einzigen Satz reduzieren.

Fiat-Geld lebt ausschließlich vom Vertrauen der Menschen. Gold ist Vertrauen – es braucht keine Institution, keine Regierung und keine Zentralbank, um seinen Wert zu bewahren.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Sie ist so alt wie die Zivilisation selbst. Doch in einer Zeit, in der die Dollar-Schwäche immer deutlicher zutage tritt und die Schuldenuhren weltweit immer schneller ticken, gewinnt sie eine neue, drängende Aktualität.

Tether-CEO Paolo Ardoino hat seine Überzeugung in einem Interview unmissverständlich formuliert:

„Bitcoin und Gold werden jede andere Währung überleben."

Das ist keine beiläufige Bemerkung eines Tech-Unternehmers. Es ist die strategische Leitlinie des größten Stablecoin-Anbieters der Welt – eines Unternehmens, das paradoxerweise sein Geld damit verdient, den US-Dollar digital abzubilden, aber gleichzeitig dessen Fundament zunehmend misstraut.

Zentralbanken und Tether: Parallele Strategien, identische Botschaft

Was die Goldkäufe von Tether besonders bemerkenswert macht, ist ihre Synchronizität mit dem Verhalten der globalen Notenbanken. Seit 2022 kaufen Zentralbanken weltweit so viel Gold wie seit 60 Jahren nicht mehr. Die globalen Goldreserven haben inzwischen Niveaus erreicht, die zuletzt zu Zeiten des Goldstandards – also vor 1971 – verzeichnet wurden.

Noch bemerkenswerter: Zum ersten Mal seit 1990 halten Zentralbanken mehr Gold als US-Staatsanleihen. Dieser historische Wendepunkt markiert eine fundamentale Verschiebung in der globalen Reservepolitik.

  1. Zentralbanken reduzieren ihre Dollar-Exposition und kaufen stattdessen Gold
  2. Private Unternehmen wie Tether folgen exakt derselben Strategie
  3. Die Goldkäufe erfolgen trotz – oder gerade wegen – der Rekordpreise
  4. Der Goldpreis hat in den letzten 12 Monaten einen Zuwachs von 100% verzeichnet

Wenn also die Institutionen, die uns das Fiat-Geld als vertrauenswürdig verkaufen wollen, selbst die größten Goldkäufer sind – welche Schlussfolgerung sollte der aufmerksame Privatanleger daraus ziehen? Die Antwort liegt auf der Hand.

Mehr Gold als ganze Nationen: Die systemische Dimension

Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen den verschiedenen Stufen dieser Entwicklung. Wenn ein Krypto-Unternehmen Gold kauft, ist das auf den ersten Blick kurios. Wenn es sich dabei um den größten Stablecoin-Emittenten der Welt handelt, ist es außergewöhnlich. Doch wenn dieses Unternehmen mehr Gold besitzt als souveräne Staaten, wird die Angelegenheit systemrelevant.

Denn was hier geschieht, ist nichts Geringeres als die stille Vorbereitung auf eine neue Finanzordnung. Eine Ordnung, in der digitale Zahlungssysteme und physische Wertgrundlagen koexistieren – wobei Gold als unverzichtbares Fundament dient.

Die Parallelen zu historischen Umbrüchen sind frappierend. Auch vor dem Ende des Bretton-Woods-Systems 1971 gab es eine Phase, in der kluge Akteure still und leise ihre Goldbestände aufbauten, während die offizielle Rhetorik noch die Stabilität des bestehenden Systems beschwor. Wer damals Goldbarren erwarb, wurde belächelt. Wer es nicht tat, verlor.

Die Knappheit als Preistreiber

Ein physikalisches Faktum verschärft die Situation zusätzlich: Es gibt weltweit nur etwa eine Unze Gold pro Mensch. Der gesamte jemals geförderte Goldbestand der Menschheit ließe sich in einem Würfel mit einer Kantenlänge von etwa 21 Metern unterbringen – er würde bequem unter den Eiffelturm passen.

Wenn nun gleichzeitig Zentralbanken, Privatunternehmen wie Tether und zunehmend auch informierte Privatanleger Gold kaufen, entsteht ein Nachfragesog, der den Preis unweigerlich weiter nach oben treibt. Die Mathematik ist unerbittlich: Bei begrenztem Angebot und steigender Nachfrage gibt es nur eine Richtung.

Was Privatanleger jetzt wissen müssen

Die Entwicklungen rund um Tether sind kein isoliertes Phänomen. Sie fügen sich nahtlos in ein globales Muster ein, das auch andere Akteure betrifft. Russland schleust über Peking trotz Sanktionen Milliarden in Gold in den Westen. Simbabwe experimentiert erfolgreich mit einer goldgedeckten Währung. Und die BRICS-Staaten arbeiten an Alternativen zum dollardominierten Finanzsystem.

Für den Privatanleger ergeben sich daraus klare Handlungsoptionen:

  • Physisches Gold als Basisinvestment: Wer noch keine Edelmetalle besitzt, sollte den Einstieg nicht weiter aufschieben. Ein Gold Starter-Set bietet einen niedrigschwelligen Zugang.
  • Diversifikation innerhalb der Edelmetalle: Klassiker wie der Wiener Philharmoniker, der Maple Leaf oder der Känguru bieten höchste Liquidität und weltweite Akzeptanz.
  • Skalierung nach Vermögensgröße: Vom Gold Starterpaket S über das Krisenschutzpaket S bis hin zum Krisenschutzpaket XXL – für jede Vermögensgröße gibt es passende Lösungen.
  • Regelmäßiger Aufbau: Wer kontinuierlich Goldmünzen erwirbt, profitiert vom Cost-Average-Effekt und baut systematisch Vermögen auf.

Die digitale Zukunft braucht ein physisches Fundament

Ein weit verbreiteter Irrtum besteht darin, Gold und Digitalisierung als Gegensätze zu betrachten. Das Gegenteil ist der Fall. Je digitaler unsere Finanzwelt wird – mit digitalem Zentralbankgeld, tokenisierten Assets und programmierbaren Währungen – desto wichtiger wird ein physisches, nicht manipulierbares Gegengewicht.

Die EZB arbeitet am digitalen Euro. China hat den digitalen Yuan bereits eingeführt. Und überall auf der Welt experimentieren Zentralbanken mit CBDCs (Central Bank Digital Currencies). Diese Entwicklungen mögen technologisch faszinierend sein, doch sie bergen auch erhebliche Risiken für die finanzielle Freiheit und Privatsphäre der Bürger.

Gold steht für das genaue Gegenteil: Es ist anonym, dezentral, nicht hackbar und nicht inflationierbar. Kein Algorithmus kann es entwerten, keine Regierung kann es per Knopfdruck einfrieren, keine Zentralbank kann es beliebig vermehren.

Warum die Medien schweigen

Es ist bezeichnend, dass die Goldkäufe von Tether in den Mainstream-Medien kaum Beachtung finden. Während jeder Bitcoin-Kurssprung Schlagzeilen produziert und jede Äußerung eines Zentralbankers zum digitalen Euro breit diskutiert wird, vollzieht sich die größte private Goldakkumulation der Geschichte weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit.

Das hat System. Denn die Botschaft, die von Tethers Goldkäufen ausgeht, ist für das bestehende Fiat-System zutiefst unbequem: Selbst die Architekten der digitalen Finanzwelt vertrauen dem Papiergeld nicht mehr.

  • Sie kaufen kein Bitcoin als Reserve – sie kaufen Gold
  • Sie lagern es nicht digital – sie lagern es physisch in Schweizer Tresoren
  • Sie tun es nicht als Spekulation – sie tun es als strategische Neuausrichtung
  • Sie handeln nicht impulsiv – sie handeln systematisch und in wachsendem Umfang

Gold ist zurück – als Fundament der nächsten Finanzordnung

Die Frage ist nicht mehr, ob sich das globale Finanzsystem grundlegend wandeln wird, sondern wann und wie. Die Zeichen sind eindeutig: Von den Zentralbanken über Sovereign Wealth Funds bis hin zu Krypto-Giganten wie Tether – alle bauen ihre Goldpositionen aus.

Der Goldpreis befindet sich auf dem Weg zu neuen Rekordhochs. Und wer die Dynamik versteht, die hinter dieser Bewegung steht, erkennt: Dies ist keine Blase, kein kurzfristiger Hype. Es ist die Rückkehr des Goldes als monetäres Fundament – eine Entwicklung, die sich über Jahre und Jahrzehnte entfalten wird.

Wer heute in American Eagles, Britannias, China Pandas oder Lunar-Münzen investiert, trifft keine spekulative Entscheidung. Er trifft eine Entscheidung für generationenübergreifenden Vermögensschutz – genau wie es Tether, die Zentralbanken und die klügsten Köpfe der Finanzwelt derzeit vormachen.

Handeln statt Zuschauen

Es gibt in solchen Momenten der Geschichte immer zwei Gruppen von Menschen: Diejenigen, die zuschauen, wie sich die Welt verändert – und diejenigen, die handeln. Die Zentralbanken handeln. Tether handelt. Und die Frage, die sich jeder Privatanleger stellen muss, lautet: Auf welcher Seite stehe ich?

Gold ist kein „Boomer-Asset", wie es in manchen Finanzforen spöttisch heißt. Gold ist die älteste Währung der Menschheitsgeschichte – und es hat jede andere Währung, jedes Imperium und jede Finanzkrise überlebt. Es bestand schon, bevor es Menschen gab. Und es wird bestehen, lange nachdem die letzte Fiat-Währung ihren inneren Wert von null erreicht hat.

Die Sicherheitsarchitektur der Zukunft wird digital sein – aber ihr Fundament wird physisch bleiben. Und dieses Fundament heißt Gold. Wer das heute versteht und danach handelt, wird morgen zu jenen gehören, die ihr Vermögen nicht nur bewahrt, sondern über Generationen gesichert haben. Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Die Zeit des Handelns ist jetzt.