Silberpreise: Shanghai zahlt 19% mehr als COMEX
Die Edelmetallmärkte erleben derzeit eine tektonische Verschiebung, wie sie in dieser Intensität seit Jahrzehnten nicht mehr zu beobachten war. Während die COMEX in New York Silber bei rund 98 bis 99 US-Dollar notiert, zahlen Käufer an der Shanghai Gold Exchange bereits 114 bis 117 US-Dollar pro Unze – ein Aufschlag von bis zu 12 Prozent. In Dubai liegen die Preise bei 115 Dollar, in Japan sogar bei über 130 Dollar. Was hier passiert, ist nichts Geringeres als die Entkopplung des physischen Marktes vom Papiermarkt – und sie hat das Potenzial, das gesamte Weltfinanzsystem in seinen Grundfesten zu erschüttern.
Die COMEX verliert die Kontrolle – und alle schauen zu
Die COMEX, jene legendäre Terminbörse in New York, die seit Jahrzehnten als globaler Referenzmarkt für Edelmetallpreise gilt, steht vor einem beispiellosen Glaubwürdigkeitsproblem. Die registrierten Silberbestände – also jene Unzen, die tatsächlich zur physischen Auslieferung bereitstehen – sind auf nur noch 114 Millionen Unzen geschrumpft. Die sogenannten Eligible-Bestände, die nicht für die Auslieferung zugelassen sind, liegen bei gerade einmal 304 Millionen Unzen.
Um diese Zahlen einzuordnen: Die weltweite jährliche Silberproduktion liegt bei rund einer Milliarde Unzen. Was an der COMEX noch registriert ist, entspricht also kaum mehr als einem Bruchteil der globalen Jahresproduktion. Und die Abflüsse beschleunigen sich. Allein die jüngsten Withdrawals – also physische Abzüge aus den COMEX-Lagern – lagen bei 4,12 Millionen Unzen.
„Houston, wir haben hier echt ein Problem. Die registrierten Bestände sinken immer weiter, und die Eligible-Bestände werden langsam aber sicher immer mehr. Das heißt, es wird zwischen den Kategorien hin- und hergeschoben – aber die Zahlen lassen sich mittlerweile nicht mehr schönen."
Wer sich mit der Funktionsweise der COMEX auskennt, versteht die Brisanz sofort. Ein Future ist ein Verpflichtungsgeschäft. Wer einen Silber-Future hält und auf Lieferung besteht, hat das Recht auf physisches Metall. Doch was passiert, wenn die Börse dieses Versprechen nicht mehr einlösen kann?
Shanghai, Dubai, Tokio: Die Welt zahlt Rekordprämien
Die Preisdiskrepanz zwischen der COMEX und den asiatischen Handelsplätzen ist kein statistisches Rauschen. Sie ist ein Alarmsignal erster Güte. Wenn Käufer in Shanghai bereit sind, 117 Dollar pro Unze zu zahlen, während New York noch bei 98 Dollar notiert, dann spiegelt das eine fundamentale Realität wider: Physisches Silber ist knapp, und wer es haben will, muss tief in die Tasche greifen.
Die Aufschläge bewegen sich mittlerweile zwischen 9 und 12 Prozent – und das sind keine Dollar-Beträge mehr, sondern prozentuale Prämien auf den Spotpreis. Das ist, gelinde gesagt, außergewöhnlich. Auch Indien verzeichnet Rekordprämien bei gleichzeitigen Rekordimporten, ebenso die Türkei.
- Shanghai: 114–117 USD pro Unze (Aufschlag 9–12%)
- Dubai: ca. 115 USD pro Unze
- Japan: über 130 USD pro Unze
- COMEX (New York): 98–99 USD pro Unze
Diese Zahlen erzählen eine Geschichte, die der Papiermarkt nicht mehr verbergen kann. Die physische Nachfrage übersteigt das Angebot – und zwar global. Wer heute Gold oder Silber physisch besitzt, hält einen Vermögenswert, dessen wahrer Preis deutlich über dem liegt, was die westlichen Terminbörsen suggerieren.
Backwardation: Wenn die Zukunft weniger wert ist als die Gegenwart
Ein weiteres Warnsignal, das erfahrene Rohstoffhändler aufhorchen lässt: Der Silbermarkt befindet sich in einer Backwardation. Das bedeutet, dass der Preis für sofortige Lieferung höher liegt als der Preis für zukünftige Liefertermine. Normalerweise ist es umgekehrt – die sogenannte Contango-Struktur, bei der spätere Liefertermine teurer sind, weil Lagerkosten und Finanzierungskosten eingepreist werden.
Backwardation signalisiert eines: Panik auf der Käuferseite. Die Marktteilnehmer wollen das Metall jetzt haben, nicht in drei oder sechs Monaten. Denn wer weiß schon, ob es in der Zukunft überhaupt noch verfügbar sein wird?
„Die Leute wollen jetzt das Metall geliefert haben und nicht mehr in der Zukunft, weil man weiß ja nicht mal, ob man es in Zukunft überhaupt noch bekommt. Wir haben eine globale physische Knappheit."
Verstärkt wird diese Dynamik durch die sogenannten Lease Rates – die Leihzinsen für physisches Silber. Diese liegen aktuell zwischen 8 und 10 Prozent. Normal wären 1 bis 2 Prozent. Das bedeutet: Wer sich Silber leihen will, um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen, muss dafür exorbitante Zinsen zahlen. Ein weiterer Beweis dafür, dass das physische Metall schlicht nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden ist.
Die Banken-Shorts: Ein Pulverfass mit brennender Lunte
Seit Jahren ist bekannt, dass große Investmentbanken massive Short-Positionen im Silbermarkt halten. Sie haben auf fallende Preise gewettet – oder, je nach Perspektive, den Preis durch ihre Verkäufe auf dem Papiermarkt systematisch gedrückt. Dieses Spiel funktionierte, solange niemand auf physische Lieferung bestand.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Schätzungen über das Ausmaß der Short-Positionen variieren, aber selbst konservative Einschätzungen gehen von zwei bis drei Jahresproduktionen aus, die auf dem Papier leer verkauft wurden. Auf sozialen Medien kursierten zuletzt noch dramatischere Zahlen:
- HSBC: angeblich 6,3 Milliarden Unzen short
- Citibank: angeblich 3,4 Milliarden Unzen short
- UBS: angeblich 5,3 Millionen Unzen short
- Bank of America: angeblich 1 Milliarde Unzen short
Ob diese konkreten Zahlen stimmen, lässt sich nicht unabhängig verifizieren. Rohstoffexperte Jochen Steiger mahnt hier zu Vorsicht und warnt vor Stimmungsmache. Doch selbst wenn nur ein Bruchteil dieser Positionen real ist, stehen die betroffenen Banken vor einem existenziellen Problem. Denn um ihre Shorts zu decken, müssten sie physisches Silber kaufen – zu Preisen, die weit über ihren Einstiegskursen liegen.
JP Morgan: Der Elefant wechselt die Seite
Besonders aufschlussreich ist die Positionierung von JP Morgan. Die Bank, die jahrelang als größter Silber-Short-Seller der Welt galt, ist seit dem 25. Dezember 2025 netto long. Das bedeutet: JP Morgan wettet jetzt auf steigende Preise. Auch Goldman Sachs wird als potenzieller Kandidat für einen Positionswechsel gehandelt.
Wenn die größten Spieler am Markt die Seite wechseln, sollte das jedem Anleger zu denken geben. Die Profis positionieren sich für das, was kommt – und sie positionieren sich long.
Japan: Der nächste Dominostein im globalen Schuldenkarussell
Parallel zur Krise an den Edelmetallmärkten braut sich in Japan ein Sturm zusammen, der das globale Finanzsystem in seinen Grundfesten erschüttern könnte. Die Renditen japanischer Staatsanleihen – der 20-jährigen, 30-jährigen und 40-jährigen – schießen durch die Decke. Japan ist eines der am höchsten verschuldeten Länder der Welt, mit einer Schuldenquote von über 260 Prozent des BIP.
Sollte der japanische Bondmarkt crashen, wären die Konsequenzen verheerend. Japan hält über eine Billion US-Dollar an amerikanischen Staatsanleihen. Ein Ausverkauf japanischer Bonds würde die Bank of Japan zwingen, US-Treasuries auf den Markt zu werfen, um die eigene Währung zu stabilisieren. Die Folge: steigende Zinsen in den USA, fallende Anleihekurse, eine potenzielle Finanzkrise 2.0 – nur diesmal deutlich größer als 2008.
In einem solchen Szenario wäre physisches Gold in Barrenform oder als Anlagemünze nicht nur eine kluge Investition, sondern schlicht eine Überlebensversicherung für das eigene Vermögen. Die Dollar-Schwäche, die sich bereits abzeichnet, würde sich in einem solchen Krisenszenario dramatisch verschärfen.
Der 30. Januar: Showdown an der COMEX
Ein Datum, das Edelmetall-Investoren sich rot im Kalender anstreichen sollten, war der 30. Januar 2026 – der sogenannte Notice Day für die März-Lieferung an der COMEX. An diesem Tag müssen Futures-Halter bekannt geben, ob sie auf physische Lieferung bestehen. Bereits der Notice Day am 28. November 2025 hatte massive Marktbewegungen ausgelöst.
Die Margin-Erhöhungen, die die COMEX in den vergangenen Wochen vorgenommen hat, zeigen die Verzweiflung der Börse. Normalerweise sollen höhere Margins spekulative Positionen eindämmen und den Markt beruhigen. Doch diesmal ist das Gegenteil passiert: Der Preis ist nicht gefallen, sondern weiter gestiegen. Jede Korrektur wird sofort aufgekauft.
- Die COMEX erhöht die Margins
- Short-Seller müssen mehr Kapital hinterlegen
- Einige Short-Seller können nicht nachschießen und müssen ihre Positionen schließen
- Das Schließen von Short-Positionen bedeutet Käufe – der Preis steigt weiter
- Weitere Margin-Erhöhungen folgen – ein Teufelskreis
„Die COMEX versucht natürlich, wie auch die großen Marktteilnehmer, die Banken, die short sind, verzweifelt den Preis zu drücken. Aber wie man sieht: Jede Korrektur wird im Keim erstickt. Es wird gekauft aus allen Rohren."
Wohin fließt das physische Metall?
Eine der spannendsten Fragen in diesem historischen Umfeld lautet: Wohin verschwindet das physische Gold und Silber? Die Antwort ist dreigeteilt:
- Private Schatullen: Vermögende Privatanleger und Family Offices horten physisches Edelmetall in privater Verwahrung
- Asien: China, Indien und die Türkei absorbieren massive Mengen an physischem Gold und Silber – wie auch die Entwicklungen rund um Pekings goldene Waschmaschine zeigen
- Zentralbanken: Insbesondere die Zentralbanken der BRICS-Staaten kaufen seit Jahren systematisch Gold auf
Der Trend ist eindeutig: Das physische Metall wandert von West nach Ost, von institutionellen Lagern in private Hände. Wer heute einen China Panda oder eine Maple Leaf Goldmünze erwirbt, folgt damit einem globalen Megatrend, der sich in den kommenden Jahren noch massiv verstärken dürfte.
Was bedeutet das für Anleger?
Die aktuelle Situation ist für Edelmetall-Besitzer paradox: Einerseits bestätigt sie alles, was Gold- und Silber-Investoren seit Jahren predigen. Andererseits ist die Lage so angespannt, dass selbst erfahrene Marktbeobachter zur Besonnenheit mahnen.
Die wichtigsten Handlungsempfehlungen
- Ruhe bewahren: Panik ist ein schlechter Ratgeber. Wer bereits physisch investiert ist, sitzt auf der richtigen Seite
- Korrekturen nutzen: Jeder Rücksetzer bietet eine Gelegenheit zum Nachkauf – ob mit einem Gold Starter-Set für den Einstieg oder einem Gold Krisenschutzpaket XXL für die umfassende Absicherung
- Physisch statt Papier: ETFs, Zertifikate und andere Papierprodukte sind in einer Lieferkrise wertlos. Nur physisches Metall ist echtes Metall
- Diversifizieren innerhalb der Edelmetalle: Gold, Silber und Platin haben unterschiedliche Risiko-Rendite-Profile. Eine Mischung aus Wiener Philharmonikern, Känguru-Münzen und Britannias bietet breite Streuung
Für Einsteiger, die den aktuellen Moment nutzen möchten, bieten sich Pakete wie das Gold Starterpaket S oder das Gold Krisenschutzpaket S an – sorgfältig zusammengestellte Kombinationen, die einen soliden Grundstock bilden.
Das große Bild: Warum der Papiermarkt dem physischen Markt weichen muss
Was wir derzeit erleben, ist nicht weniger als das Ende einer Ära. Jahrzehntelang wurde der Preis von Gold und Silber an Papierbörsen bestimmt, an denen ein Vielfaches der tatsächlich existierenden physischen Menge gehandelt wurde. Dieses System funktionierte, weil die überwältigende Mehrheit der Marktteilnehmer nie auf Lieferung bestand. Sie handelten Papier gegen Papier und rechneten in Dollar ab.
Doch die Welt hat sich verändert. Die Rückkehr goldgedeckter Währungen, die massive Nachfrage aus Asien, das wachsende Misstrauen gegenüber dem westlichen Finanzsystem – all das führt dazu, dass immer mehr Marktteilnehmer auf physische Lieferung bestehen. Und genau das bringt das System an seine Grenzen.
Die COMEX, so die nüchterne Einschätzung erfahrener Marktbeobachter, sinkt in die Bedeutungslosigkeit ab. Eine Börse, die im Wesentlichen Papier durch die Gegend schiebt, verliert ihre Daseinsberechtigung, wenn der Markt physische Realität einfordert.
Silber über 200 Dollar? Im Bereich des Möglichen
Sollte es tatsächlich zu einem Kollaps an der COMEX kommen – also zu einer Situation, in der Auslieferungsgesuche nicht mehr bedient werden können –, wären die Konsequenzen kaum absehbar. Ein solches Ereignis würde nicht nur den Silbermarkt, sondern das gesamte Vertrauen in die westlichen Terminbörsen erschüttern.
In einem solchen Szenario wäre ein Silberpreis von weit über 200 Dollar pro Unze durchaus realistisch. Selbst wenn die Krise „gestreckt" wird – also durch Interventionen von Zentralbanken oder sogar chinesische Hilfe abgemildert – dürfte der Preisanstieg bei Edelmetallen dramatisch ausfallen.
Gold kratzt bereits an der 5.000-Dollar-Marke. Wer sich die historische Entwicklung anschaut, erkennt: Jede große Finanzkrise der vergangenen 50 Jahre hat zu einem massiven Anstieg der Edelmetallpreise geführt. Und die aktuelle Gemengelage – explodierende Staatsverschuldung, wackelnde Bondmärkte, geopolitische Spannungen – ist brisanter als alles, was wir seit 2008 gesehen haben.
Fazit: Physisches Edelmetall ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit
Die Botschaft der aktuellen Marktentwicklung ist unmissverständlich: Nur physisches Edelmetall ist echtes Edelmetall. Papierversprechen – seien es Futures, ETFs oder Bankzertifikate – sind in einer Welt der physischen Knappheit das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.
Wer heute in physisches Gold investiert, ob als American Eagle, als Lunar-Münze oder als klassischen Goldbarren, der sichert sein Vermögen mit dem ältesten und bewährtesten Wertaufbewahrungsmittel der Menschheitsgeschichte. Gold hat jede Währung, jedes Imperium und jede Finanzkrise überlebt. Und es wird auch diese überleben.
Die Frage ist nicht mehr, ob das aktuelle System an seine Grenzen stößt. Die Frage ist nur noch, wann – und ob Sie dann auf der richtigen Seite stehen. Für ein Gold Krisenschutzpaket M ist es jedenfalls noch nicht zu spät. Aber die Uhr tickt.



