Silberpreis bei 100 Dollar: Short-Squeeze und Marktexplosion
Die Edelmetallmärkte erleben eine Phase, die selbst erfahrene Analysten in Staunen versetzt. Während der Goldpreis die 5.000-Dollar-Marke ins Visier nimmt und diese möglicherweise bereits durchbrochen hat, rast Silber mit atemberaubender Geschwindigkeit auf die psychologisch entscheidende 100-Dollar-Schwelle zu. Was sich hinter dieser magischen Grenze verbirgt, warum sie für die Großbanken zum existenziellen Problem werden könnte und weshalb ausgerechnet die EU-Kommissionspräsidentin unfreiwillig zum Kronzeugen der Edelmetall-Bullen wurde – das sind die Fragen, die Anleger jetzt umtreiben.
Silber bei 99,75 Dollar: Die letzte Bastion vor dem Unbekannten
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Im Jahr 2025 legte der Silberpreis um unfassbare 130 Prozent zu. Zum Vergleich: Der ohnehin schon beeindruckende Goldanstieg von 66 Prozent im selben Jahr wirkt dagegen fast bescheiden. Und der Anstieg von rund 30 Prozent, den Silber im Jahr 2024 verzeichnete? Er erscheint im Rückblick geradezu homöopathisch.
Doch die eigentliche Brisanz liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der unmittelbaren Gegenwart. Silber notiert bei 99,75 Dollar – es fehlen nur noch 25 Cent bis zur dreistelligen Marke. In Shanghai wurde die 100-Dollar-Grenze bereits geknackt, mit umgerechnet 102 Dollar. In Indien zahlt man sogar 107 Dollar pro Unze.
Wenn wir die 100-Dollar-Marke einmal erreichen und dies in ein Wochenende hineinnehmen, dann sind wir in einem Gebiet, das noch niemand erforscht hat. Dann platzen derart viele Short-Positionen, dass es nach oben kein Halten mehr gibt.
Diese Einschätzung von Dominik Kettner ist keineswegs übertrieben. Die physische Nachfrage zwingt bereits jetzt Großbanken in die Knie, und die Handelsplätze in den USA und London weisen erhebliche Lieferschwierigkeiten beim physischen Silber auf.
Das Short-Squeeze-Szenario: Warum 100 Dollar alles verändern
Um zu verstehen, warum die 100-Dollar-Marke beim Silber so brisant ist, muss man die Struktur des Terminmarktes kennen. Seit Jahren halten große Finanzinstitute massive Short-Positionen auf Silber – Wetten also, die auf fallende Preise setzen. Diese Positionen wurden in einer Zeit aufgebaut, als Silber bei 20, 25 oder 30 Dollar notierte.
Was passiert, wenn der Preis die 100-Dollar-Marke durchbricht?
- Margin Calls: Die Verluste der Short-Seller werden so groß, dass sie gezwungen sind, ihre Positionen zu schließen – was bedeutet, dass sie Silber kaufen müssen
- Kettenreaktion: Jeder erzwungene Kauf treibt den Preis weiter nach oben, was weitere Margin Calls auslöst
- Liquiditätskrise: Da physisches Silber bereits knapp ist, können die Kontrakte nicht durch Lieferung bedient werden
- Preisexplosion: In einem solchen Szenario gibt es buchstäblich keine technische Obergrenze mehr
Es ist ein klassisches Short-Squeeze-Szenario, wie es die Welt beim Silber in dieser Dimension noch nie erlebt hat. Die westlichen Handelsplätze versuchen offensichtlich, den Preis so lange wie möglich unter dieser kritischen Schwelle zu halten. Doch die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann die Mauer fällt.
China und Indien: Die stillen Preistreiber
Besonders aufschlussreich ist das Verhalten der beiden bevölkerungsreichsten Nationen der Erde. Während die westlichen Märkte noch versuchen, den Silberpreis zu deckeln, zahlen China und Indien bereits deutliche Aufschläge auf den internationalen Spotpreis.
China baut aktiv Handelsstrukturen auf, um physisches Silber tatsächlich ausliefern zu können – ein fundamentaler Unterschied zum westlichen Papierhandel, bei dem oft nur Kontrakte hin- und hergeschoben werden. Die chinesischen Börsen sind bereit, einen höheren Preis zu zahlen, um ihre strategischen Lager aufzufüllen.
Die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt würden nicht bereit sein, Aufschläge auf den Silberpreis zu zahlen, wenn sie nicht an einen weiter steigenden Preis in der Zukunft glauben würden.
Indien verfolgt dabei geostrategische Ziele und die dortige Industrie ist bereit, jeden Preis zu zahlen. Das Problem: Es gibt schlicht nicht genug physisches Material. Die Solarindustrie wird bereits zum radikalen Umdenken gezwungen, weil die industrielle Nachfrage das Angebot bei Weitem übersteigt.
Die fundamentale Angebots-Nachfrage-Schere
Das Silberdefizit – also die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch – besteht nun schon seit mehreren Jahren in Folge. Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Industrielle Nachfrage: Solarenergie, Elektromobilität, 5G-Technologie und Militärtechnik verschlingen immer mehr Silber
- Investmentnachfrage: Verunsicherte Anleger weltweit suchen sichere Häfen
- Zentralbankkäufe: Nicht nur Gold, auch Silber wird von staatlichen Akteuren gehortet
- Stagnierende Produktion: Neue Silberminen brauchen Jahre bis zur Förderung
- Recycling-Engpässe: Die Rückgewinnung aus Elektronik und Solarpanels ist aufwendig und teuer
Von der Leyens erstaunliches Geständnis in Davos
Während die Edelmetallpreise neue Rekorde schreiben, passierte beim diesjährigen World Economic Forum in Davos etwas Bemerkenswertes. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach öffentlich über den Nixon-Schock von 1971 – jenes Ereignis, bei dem US-Präsident Richard Nixon die Goldbindung des Dollars aufhob.
Von der Leyen sagte wörtlich, dass mit dieser Entscheidung die Grundlagen des Bretton-Woods-Systems und der gesamten globalen Wirtschaftsordnung faktisch zusammenbrachen. Eine Aussage, die in ihrer Tragweite kaum zu überschätzen ist.
1971 war das Jahr des sogenannten Nixon-Schocks und der Entscheidung, den US-Dollar vom Gold zu entkoppeln. In einem Augenblick brachen damit die Grundlagen des Bretton-Woods-Systems und der gesamten globalen Wirtschaftsordnung, die nach dem Krieg geschaffen worden war, faktisch zusammen.
Warum ist das so bemerkenswert? Weil genau diese Argumentation – dass die Abkopplung vom Gold das Fundament für die heutigen Probleme des Finanzsystems legte – seit Jahrzehnten von Edelmetall-Befürwortern vorgetragen wird. Und seit Jahrzehnten wurden sie dafür als Verschwörungstheoretiker oder naive Goldbugs belächelt.
Dass nun die Präsidentin der EU-Kommission auf der größten Bühne der Weltwirtschaft exakt diese These bestätigt, ist ein Paradigmenwechsel. Die Argumente, die Gold- und Silberinvestoren seit Jahren anführen, werden nun vom Mainstream bestätigt – wenn auch mit erheblicher Verspätung.
Peter Schiff: Der Prophet, den niemand hören wollte
Apropos Verspätung: Kaum jemand verkörpert das Schicksal des ignorierten Mahners besser als Peter Schiff. Der amerikanische Ökonom und Fondsmanager sagte vor zehn Jahren im US-Fernsehen einen Goldpreis von 5.000 Dollar voraus – und wurde dafür live ausgelacht.
Die Moderatorin unterbrach ihn mit den Worten „5.000 wird nicht passieren", und der Börsenkorrespondent pflichtete ihr bei. Kurz darauf wurde Schiff nicht mehr eingeladen. Seine Analyse war unbequem, seine Argumente unwiderlegbar – also machte man ihn unsichtbar.
Im Oktober 2025 kommentierte Schiff trocken auf X: „Sie können das Gold bei 4.000 Dollar nicht mehr auslachen, da es nur noch 1.000 Dollar entfernt ist. Sie können auch mich nicht mehr auslachen."
Schiffs Kernargumente von damals haben sich sämtlich bewahrheitet:
- Die Inflation hat die Kaufkraft der Bürger massiv erodiert
- Die Staatsverschuldung ist auf historische Rekordstände explodiert
- Die Fed-Politik hat den Tag der Abrechnung nur hinausgezögert, nicht verhindert
- Menschen in ihren 60ern und 70ern arbeiten, weil ihre Ersparnisse entwertet wurden
- Gold hat alle anderen Anlageklassen in der langfristigen Betrachtung geschlagen
Geopolitische Brandherde als Preistreiber
Die Liste der geopolitischen Konflikte, die den Edelmetallmarkt befeuern, wird immer länger. Beim WEF in Davos stand vor allem der Streit um Grönland im Fokus – ein Konflikt, der sogar das Ende der NATO einläuten könnte, wie selbst das ZDF spekuliert.
Doch ein Thema ging in Davos völlig unter: der Iran-Konflikt. Während die Eliten ihre Reden hielten, verlegten die USA einen Flugzeugträger in den Nahen Osten. Das Säbelrasseln geht unvermindert weiter – und erinnert fatal an die 1970er Jahre, als die Ölkrise den Goldpreis auf sein damaliges Allzeithoch trieb und Silber sich über Nacht vervierfachte.
Die Krisenliste wächst unaufhörlich
- Grönland: Territorialstreit mit Potenzial zur NATO-Krise
- Ukraine: Kein Ende des Konflikts in Sicht
- Taiwan: Chinas Ansprüche werden aggressiver
- Iran: Militärische Eskalation droht
- Weltweite Militarisierung: Rüstungsausgaben auf Rekordniveau
Und dabei sind die Zollpolitik, die überbordenden Staatsschulden und die durch Geldmengenausweitung zunehmende Inflation als Preistreiber noch nicht einmal vollständig eingepreist. Selbst kleinere Länder wie der Libanon geraten unter Druck, ihre Goldreserven anzutasten – ein Zeichen dafür, wie angespannt die globale Finanzlage ist.
Die Prognosen der Großbanken: Wenn selbst Skeptiker bullish werden
Was vielleicht am meisten aufhorchen lässt: Die großen Finanzinstitute, die Edelmetalle jahrelang stiefmütterlich behandelt haben, überbieten sich nun gegenseitig mit ihren Preisprognosen.
- Goldman Sachs hebt seine Goldprognose von 5.000 auf 5.400 Dollar an
- Bank of America sieht bereits 6.000 Dollar – und zwar nicht irgendwann, sondern im Frühjahr 2026
- Dominik Kettner prognostiziert 5.800 Dollar beim Gold bis Jahresende
- Beim Silber liegt die konservative Prognose bei 181 Dollar pro Unze
Wenn Goldman Sachs und die Bank of America derart bullish werden, dann ist das kein Zufall. Diese Institute haben Zugang zu Informationen und Analysekapazitäten, die dem normalen Anleger verschlossen bleiben. Wenn sie ihre Prognosen so drastisch anheben, dann sehen sie fundamentale Kräfte am Werk, die den Preisanstieg weiter treiben werden.
Die Gold-Silber-Ratio: Ein historisches Signal
Erfahrene Edelmetall-Investoren beobachten nicht nur die absoluten Preise, sondern auch das Verhältnis zwischen Gold und Silber. Historisch lag dieses Verhältnis bei etwa 15:1 – für eine Unze Gold bekam man 15 Unzen Silber. In den letzten Jahrzehnten war dieses Verhältnis stark verzerrt, zeitweise auf über 80:1.
Die aktuelle Rallye beim Silber deutet darauf hin, dass sich dieses Verhältnis wieder normalisiert. Das bedeutet: Silber hat gegenüber Gold noch erhebliches Aufholpotenzial. Wer heute in Silberbarren oder Silbermünzen investiert, könnte von dieser Normalisierung überproportional profitieren.
Besonders beliebt bei Anlegern sind dabei klassische Anlagemünzen wie der Maple Leaf, der Wiener Philharmoniker oder der Krügerrand in Silber. Auch der australische Känguru, die Britannia und der American Eagle gehören zu den gefragtesten Silbermünzen weltweit.
Was Anleger jetzt wissen müssen
Bei aller Euphorie ist eines klar: Kein Markt steigt linear. Auch in einem starken Bullenmarkt wird es Korrekturen geben – teils heftige. Wer bei jedem Rücksetzer panisch verkauft, wird die großen Bewegungen verpassen. Die Geschichte zeigt: In den 1970er Jahren gab es beim Gold Korrekturen von 40 Prozent und mehr – bevor der Preis sich anschließend vervielfachte.
Jeder Markt wird auch in starke Korrekturen geraten. Doch genauso schnell wie es abwärts geht, wird es wieder bergauf gehen. Die Frage ist, wie viele verunsicherte Anleger frühzeitig rausgehen, weil sie nicht erkennen, dass es nur Korrekturen sind.
Für Anleger, die noch nicht investiert sind, stellt sich die Frage des Einstiegszeitpunkts. Wer auf den „perfekten" Moment wartet, wartet oft ewig. Gerade für Einsteiger bieten sich strukturierte Lösungen wie das Silber Starter-Set oder das Silber Starterpaket S an, um einen diversifizierten Einstieg zu finden.
Strategien für verschiedene Anlegertypen
- Einsteiger: Regelmäßige Käufe in kleinen Tranchen, um den Durchschnittspreis zu glätten
- Fortgeschrittene: Beobachtung der Gold-Silber-Ratio für taktische Umschichtungen
- Krisenvorsorger: Das Silber-Tauschmittelpaket bietet kleine Stückelungen für den Ernstfall
- Schenker: Physisches Silber als wertbeständiges Geschenk – etwa als 50g Silberherz oder 100g Silberherz
Das große Bild: Warum wir erst am Anfang stehen
Wer die aktuelle Rallye in den historischen Kontext einordnet, erkennt: Wir befinden uns möglicherweise erst in der Frühphase eines säkularen Bullenmarktes. Die letzte vergleichbare Phase – die 1970er Jahre – brachte eine Vervielfachung der Edelmetallpreise über ein ganzes Jahrzehnt hinweg.
Die Parallelen sind frappierend. Damals wie heute:
- Explodierende Staatsverschuldung
- Aggressive Geldmengenausweitung durch Zentralbanken
- Geopolitische Krisen im Nahen Osten
- Vertrauensverlust in das Fiat-Geldsystem
- Steigende Inflation, die die Kaufkraft der Bürger auffrisst
Der entscheidende Unterschied: Heute ist die globale Verschuldung um ein Vielfaches höher als in den 1970ern. Die Geldmengenausweitung seit 2008 – und erst recht seit 2020 – hat Dimensionen erreicht, die historisch beispiellos sind. Und die geopolitischen Konflikte sind nicht auf eine Region beschränkt, sondern erstrecken sich über den gesamten Globus.
Gold und Silber sind nicht einfach nur Rohstoffe oder Anlageprodukte. Sie sind ein Spiegel des Vertrauens – oder besser gesagt: des Misstrauens – in das bestehende Finanzsystem. Und dieses Misstrauen wächst. Täglich. Weltweit. Unaufhaltsam.
Fazit: Die 100-Dollar-Marke ist nur der Anfang
Ob Silber die 100-Dollar-Marke heute, morgen oder in einigen Wochen durchbricht, ist letztlich zweitrangig. Die fundamentalen Kräfte – das strukturelle Angebotsdefizit, die explodierende industrielle Nachfrage, die geopolitischen Krisen und der schleichende Vertrauensverlust in Papierwährungen – sind so mächtig, dass sie sich nicht dauerhaft unterdrücken lassen.
Wenn die Mauer bei 100 Dollar fällt, könnte das der Auslöser für eine Preisbewegung sein, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Die Short-Positionen der Großbanken, die jahrelang als Deckel auf dem Silberpreis wirkten, würden sich in Raketentreibstoff verwandeln.
Herzlichen Glückwunsch an alle, die den Mut hatten, in den vergangenen Jahren gegen den Mainstream zu investieren. Und für alle anderen gilt: Es ist noch nicht zu spät. Denn wenn die Prognosen auch nur annähernd eintreffen, stehen wir tatsächlich erst am Anfang einer historischen Bewegung. Die einzige echte Währung der Menschheitsgeschichte – Gold und Silber – erlebt gerade ihre Renaissance. Und diesmal könnte sie von Dauer sein.



