Staatsversagen und Kontrollwahn: Warum der Staat scheitert
Es gibt Sätze, die hängen nach. „Wir alle sind Opfer eines Staates im Kontrollwahn“ ist so ein Satz. Er stammt von Roland Tichy, dem langjährigen Chefredakteur der WirtschaftsWoche und heutigen Herausgeber von Tichys Einblick. Er fällt nicht im Affekt, sondern als Fazit einer nüchternen Bestandsaufnahme. Und genau das macht ihn so unbequem.
Denn der Befund ist paradox: Ein Staat, der seine Bahn nicht pünktlich fahren lassen kann, der seine Grenzen nicht sichert und seinen Haushalt nur noch mit immer neuen „Sondervermögen“ zusammenhält, entwickelt eine erstaunliche Effizienz, sobald es um die Überwachung seiner eigenen Bürger geht. Kameras, Kontenabrufe, digitale Identität, Chatkontrolle. Wo der Staat versagt, kontrolliert er offenbar umso lieber. Warum das kein Zufall ist und was es für Ihr Erspartes bedeutet, lohnt einen genaueren Blick.
Der Staat, der nichts mehr schafft – außer zu kontrollieren
Tichys Analyse beginnt beim Offensichtlichen. Wer heute einen deutschen Bahnhof betritt, erlebt nicht selten Verwahrlosung statt Verkehrsknotenpunkt. Dass über Bahnsteigkarten diskutiert wird, um die Zustände auf den Bahnsteigen in den Griff zu bekommen, spricht Bände. Weihnachtsmärkte gleichen Festungen aus Stahl und Beton. Und ob der Zug überhaupt fährt, ist inzwischen eher Glückssache als Fahrplan.
Das alles ist für Tichy vor allem eines: eklatantes Staatsversagen. Und dieses Versagen erzeugt etwas, das Regierende fürchten wie der Teufel das Weihwasser – Kritik.
„Alles, was sie wollen, ist diese Kritik auszusparen, diese Kritik stumm zu machen, Kritik am Staat zu verbieten, weil es eine Kritik an den Regierenden wäre.“
Die Logik dahinter ist so einfach wie beunruhigend: Je sichtbarer das Scheitern, desto größer der Unmut. Je größer der Unmut, desto stärker das Bedürfnis der Macht, ihn einzuhegen. Kontrolle wird so zum Ersatz für Leistung.
Journalismus als Machtkontrolle – eigentlich
Tichy erinnert an einen Grundsatz, den das Bundesverfassungsgericht selbst immer wieder betont hat: Die Presse hat eine Kontrollfunktion gegenüber der Macht. Macht, die nicht hinterfragt wird, neigt zur Allmacht. Wer diesen Gedanken zu Ende denkt, landet schnell bei einer unbequemen Frage – nämlich der, warum so viele große Medienhäuser ihre Rolle heute eher als Applaus-Abteilung denn als Wachhund verstehen.
Tichy wählt dafür bewusst scharfe Worte und spricht von einer „Jubelpresse“, die Missstände beschönige, statt sie offenzulegen. Man muss diese Zuspitzung nicht in jedem Detail teilen, um das Grundproblem zu erkennen: Viele Entwicklungen, die unmittelbar das Geld der Bürger betreffen, finden in den Abendnachrichten schlicht nicht statt.
„Faule Ersparnisse“: Brüssel entdeckt Ihr Sparbuch
Ein Beispiel dafür ist eine Rede, die Ursula von der Leyen Ende August in Paris gehalten hat und die in Deutschland kaum jemand mitbekommen haben dürfte. Die Kernaussage: Europas Bürger hielten rund 10 Billionen Euro an Ersparnissen auf Bankkonten – und diese Ersparnisse seien, sinngemäß, „faul“. Sie sollen künftig für Unternehmen und Investitionen „nutzbar gemacht“ werden. Eine Einigung strebt die Kommissionspräsidentin bis Jahresende an, notfalls auch ohne die Zustimmung aller Mitgliedstaaten.
Offiziell ist alles freiwillig. Doch wer die Geschichte europäischer Finanzpolitik kennt, weiß: Auf das große „freiwillig“ folgt erfahrungsgemäß erst der sanfte Anreiz, dann der sanfte Druck – und irgendwann der weniger sanfte.
Der Witz von der Oma an der Sparkasse
Tichy seziert den Gedanken der „faulen Ersparnisse“ mit einem alten Witz. Eine Oma hebt bei der Sparkasse 3.000 Euro ab, betrachtet die Scheine und beschwert sich: Das seien ja ganz andere Scheine als die, die sie damals eingezahlt habe. Man lachte über die Oma, weil sie glaubte, eine Bank sei ein Tresor, in dem das eigene Geld unangetastet liegt.
Dabei weiß im Grunde jedes Kind: Banken bündeln Einlagen, transformieren Fristen und verleihen das Geld weiter – an den Handwerker, der eine Maschine braucht, an den Mittelständler, der expandieren will. Geld auf dem Konto liegt nicht „faul“ herum. Es arbeitet bereits.
„Die Vorstellung, dass das Geld faul herumliegt, zeigt nur: Von der Leyen hat ungefähr die Intelligenz der Oma aus dem Witz.“
Die Pointe ist bitter. Denn wenn Brüssel dennoch von „faulem Geld“ spricht, geht es offenbar um etwas anderes: um die Lenkung privaten Vermögens in Richtungen, die politisch gewünscht sind – und in die der Bürger sein Geld freiwillig vermutlich nie tragen würde. Auch Kanzler Friedrich Merz hatte sich zuvor ähnlich geäußert.
Wenn Beamte investieren
Was passiert, wenn der Staat entscheidet, wohin Kapital fließt? Tichy nennt ein Beispiel, das vielen noch in den Knochen steckt: die mit Steuergeld geförderte Batteriefabrik von Northvolt in Schleswig-Holstein, bei der am Ende Hunderte Millionen Euro öffentlicher Mittel im Feuer standen. Für Tichy ist das der Prototyp einer Geldanlage, die „immer kaputtgeht“: die staatlich gelenkte.
- Private Sparer wollen, dass ihr Geld erhalten bleibt und im besten Fall etwas zurückkommt.
- Politische Lenkung folgt anderen Zielen: Prestigeprojekten, Transformationsplänen, Wahlkampflogik.
- Das Risiko trägt am Ende immer derselbe – der Bürger, als Sparer oder als Steuerzahler.
- Die Verantwortung dagegen trägt im Ernstfall kaum jemand.
„Mich trifft das doch nicht“ – ein gefährlicher Irrtum
Viele Menschen winken ab, wenn es um Kontensperrungen oder Sanktionslisten geht. Ich habe nichts zu verbergen. Ich bin doch niemand. Tichys Antwort darauf ist knapp: „Da bist du ganz schnell dabei.“
Die Überweisung mit dem Wort „Kuba“
Er erzählt eine Geschichte aus eigener Erfahrung. Einer Kollegin, die eine Reportage über Kuba geschrieben hatte, überwies er ihr Honorar – mit dem schlichten Verwendungszweck „Kuba“. Ein völlig legaler, dokumentierter Vorgang. Die Folge: Das Konto wurde gesperrt, weil ein Sanktionsmechanismus anschlug. Es kostete ihn viel Zeit und Mühe, Geld und Konto wieder freizubekommen.
Ein zweites Beispiel wirkt fast komisch, ist es aber nicht: Ein Abiturient in einer schwäbischen Kleinstadt sammelte Geld für die Abifeier und schrieb scherzhaft „Sex und Drogen“ in den Verwendungszweck. Kurz darauf stand die Polizei vor der Tür. Die Systeme verstehen keinen Humor. Sie verstehen nur Schlagworte.
Wenn aus Verwaltung Existenzvernichtung wird
Dass es noch deutlich härter kommen kann, zeigen zwei Fälle, die weit über Anekdoten hinausgehen:
- Jacques Baud, ein ehemaliger Schweizer Offizier und Analyst, landete ohne Gerichtsurteil auf einer EU-Sanktionsliste. Seine Konten wurden eingefroren – nach eigener Darstellung war er zeitweise darauf angewiesen, dass Nachbarn ihm Lebensmittel brachten.
- In Kanada wurden 2022 während der Corona-Proteste der Trucker Konten von Demonstranten und Unterstützern per Notstandsrecht quasi auf Knopfdruck gesperrt. Gerichte bewerteten das Vorgehen der Regierung später als unrechtmäßig – für die Betroffenen ein schwacher Trost.
Die Lehre daraus ist unbequem: Ein Konto ist kein Eigentum im klassischen Sinne. Es ist eine Forderung gegenüber einer Bank, die jederzeit durch Algorithmen, Behörden oder politische Entscheidungen blockiert werden kann. Übrigens stand die Schweiz jüngst auch aus ganz anderen Gründen im medialen Rampenlicht – etwa beim bizarren Goldzähne-Vorwurf, mit dem sich ein Influencer vor laufender Kamera blamierte.
„Wir alle sind Opfer eines Staates im Kontrollwahn – und der Kontrollwahn kommt daher, weil die Bürger durch diesen eklatanten Fall von Staatsversagen kritisch werden.“
Schöne Namen, harte Kontrolle
Besonders perfide ist für Tichy die Verpackung. Kein Gesetz heißt „Kontrollgesetz“. Stattdessen tragen die Vorhaben wohlklingende Namen, gegen die man scheinbar nichts einwenden kann. Wer ist schon gegen Demokratie, gegen Kinderschutz, gegen Sicherheit?
- Der „Europäische Schutzschild für die Demokratie“ und die neuen EU-Regeln zu politischer Werbung: Klingt nach Schutz. In der Praxis führen sie dazu, dass Plattformen wie Facebook politische Inhalte kaum noch bewerben lassen – und bestimmte Medien ihre Reichweite verlieren, weil journalistische Beiträge plötzlich als „Werbung“ gelten.
- Jugendschutz im Internet: Dass Kinder nicht den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen sollen, bestreitet niemand. Die Lösung aber lautet Altersverifikation per App – also Ausweispflicht für alle, die online gehen wollen.
- Kampf gegen Kinderpornografie: Ein absolut berechtigtes Anliegen. Doch die diskutierten Instrumente – Stichwort Chatkontrolle – laufen auf das anlasslose Durchsuchen privater Kommunikation auf Computern und Handys hinaus.
- Kartenzahlungspflicht für Händler: Verkauft als Modernisierung, belastet sie kleine Geschäfte mit Transaktionsgebühren – und drängt das Bargeld Schritt für Schritt zurück.
Tichys Rat an die Leser ist denkbar einfach: Wann immer Sie diese schönen Wörter hören, hören Sie genau hin. Denken Sie eine Runde weiter. Was bedeutet das konkret für mich, für meine Daten, für mein Geld?
Bargeld: Die letzte Bastion der Anonymität
Im Zentrum dieser Entwicklung steht das Bargeld. Nicht, weil es altmodisch wäre, sondern weil es etwas bietet, das digitale Zahlungen nie bieten werden: Anonymität und Unabhängigkeit von Infrastruktur. Tichy bringt es auf den Punkt: Alles, was anonym ist, sei diesem Staat suspekt.
Dabei zeigen die jüngsten Meldungen, wie schnell der Rückzug voranschreitet. Immer mehr Behörden akzeptieren kein Bargeld mehr. Der Zugang zu bestimmten Auslandskonten soll für Neukunden erschwert werden. Und die Ersparnisse der Bürger werden in Brüssel bereits verplant. Drei Meldungen aus einem einzigen Monat – und in den Abendnachrichten fast kein Wort.
Die Lektion aus Schweden
Dass eine vollständig digitale Zahlungswelt auch ganz praktische Schwächen hat, zeigt ausgerechnet Schweden, lange das Musterland der Bargeldlosigkeit. Dort raten die Behörden inzwischen wieder dazu, Bargeld für Notfälle vorzuhalten. Der Grund ist banal: Ohne Strom funktioniert kein Terminal, keine App, keine Überweisung. Und Stromausfälle werden angesichts einer, wie Tichy es formuliert, „geisteskranken Energiewende“ nicht seltener.
Dazu kommt die lückenlose Spur. Tichy zeigt eine gewöhnliche Restaurantrechnung über 70,10 Euro – ein paar Pizzen, zwei Espresso – und darauf eine eindeutige Transaktionsnummer. Jede Kartenzahlung, jede Überweisung hinterlässt Daten. Bargeld ist nicht vollkommen unsichtbar, aber es ist der letzte Rest an finanzieller Privatsphäre im Alltag.
Finanzielle Selbstverteidigung: Warum Gold in kleinen Einheiten
Was also tun, wenn Konto und Bezahlen bald nur noch über wenige digitale Schnittstellen laufen – und eine einzige Sperrung oder ein einziger Ausfall reicht, um von einer Minute auf die andere handlungsunfähig zu sein? Tichys Antwort ist zweistufig: Bargeld für den Alltag, und für alles Größere etwas, das man im Zweifel mitnehmen kann. Sein Plädoyer: „ein bisschen Gold, und zwar in kleinen Einheiten“.
„Wenn es um größere Dinge geht, dann braucht man halt etwas, was man mitnehmen kann – wenn es ums Fliehen geht. Auch damit muss man rechnen.“
Das ist bemerkenswert, denn lange galt in der Branche die Regel, kleine Grammbarren seien prozentual zu teuer. Inzwischen hat sich die Sichtweise gewandelt. Der höhere Aufschlag relativiert sich, weil er beim Wiederverkauf zu einem guten Teil wieder zurückfließt. Entscheidend ist der Gewinn an Flexibilität: Wer in Krisenzeiten tauschen oder bezahlen muss, zerteilt keinen Kilobarren.
So kann eine Krisenreserve aussehen
Eine durchdachte Struktur für physisches Gold könnte etwa so aussehen:
- Kleinste Einheiten für den Notfall: Barren wie der 0,1g Goldbarren von Heimerle und Meule sind der Einstieg für wenige Euro und ideal als Tauschmittel im Kleinen.
- Grammmünzen mit Wiedererkennungswert: Der 1g Gold Maple Leaf oder der 0,5g Gold Deutscher Adler 2026 verbinden kleine Stückelung mit hoher Bekanntheit.
- Symbolträchtige Stücke: Die limitierte 0,5g Gold Deutsche Mark 2026 in Reverse Proof erinnert daran, dass es einmal eine stabile Währung in diesem Land gab.
- Der Kern des Vermögens: Unzenmünzen wie der 1 Unze Gold Krügerrand 2026, der Wiener Philharmoniker, der Maple Leaf, das Känguru, die Britannia oder der American Eagle bilden das stabile Fundament.
- Für Sammler mit Weitblick: Motivwechselnde Serien wie Lunar oder der China Panda ergänzen die Reserve um eine persönliche Note.
Einen Überblick über das gesamte Sortiment finden Sie in den Kategorien Goldmünzen und Goldbarren. Wer die Stückelung nicht selbst zusammenstellen möchte, greift zur Krisenschutzbox von Kettner Edelmetalle, die genau diesen Gedanken der kleinen Einheiten konsequent umsetzt. Bemerkenswert: Selbst andere Händler bestellen inzwischen kleinteilige Barren bei Kettner.
Physisch statt Papier
Ein Punkt verdient besondere Betonung: Krisenschutz funktioniert nur mit Gold, das Sie tatsächlich besitzen. Ein Zertifikat auf Gold ist wieder nur eine Forderung – abhängig von Banken, Börsen und Konten, also genau von jener Infrastruktur, deren Verwundbarkeit Tichy so eindringlich beschreibt. Warum das gerade jetzt wichtig ist, zeigt unser Beitrag „Papiergold im Comeback: Europas Anleger greifen zu – doch die entscheidende Frage bleibt offen“.
Auch das Marktumfeld unterstreicht die Rolle des gelben Metalls. Wie sich der Preis rund um die psychologisch wichtige Marke entwickelt, lesen Sie in „Gold zittert um die 4.000er-Marke – doch die Bodenbildung hält stand“. Und dass Gold selbst in Washington wieder als monetärer Anker diskutiert wird, beleuchtet unser Beitrag über goldgedeckte US-Anleihen und eine mögliche Rückkehr zum Goldstandard.
Die Lage ist ernst – die Laune muss es nicht sein
Was bleibt nach diesem Gespräch? Vor allem die Erkenntnis, dass die großen Entwicklungen nicht mit Paukenschlag kommen, sondern leise. In wohlklingenden Gesetzesnamen. In Reden, über die kaum berichtet wird. In Verwendungszwecken, die plötzlich einen Alarm auslösen. Jede Maßnahme für sich wirkt harmlos. Zusammengenommen ergeben sie die Architektur eines Kontrollstaats.
- Informieren Sie sich breit – und nicht nur aus den Quellen, die ohnehin den Regierungskurs begleiten.
- Hinterfragen Sie schöne Begriffe und denken Sie eine Runde weiter.
- Halten Sie Bargeld für den Alltag und für Notfälle vor.
- Sichern Sie einen Teil Ihres Vermögens in physischem Gold, bevorzugt auch in kleinen, flexiblen Einheiten.
- Übernehmen Sie Eigenverantwortung – niemand sonst wird es für Sie tun.
Gold hat jede Papierwährung der Geschichte überlebt, jede Reform, jede Enteignungswelle. Es braucht keinen Strom, kein Konto, keine Genehmigung aus Brüssel. Genau deshalb ist es in Zeiten wachsender Kontrolle so wertvoll – als stilles Stück Freiheit.
Roland Tichy verabschiedet sich mit einem Satz, der fast tröstlich klingt: „Die Lage ist zum Verzweifeln, aber die Laune muss ja deswegen nicht in den Keller sinken.“ Wer vorbereitet ist, kann sich diese Gelassenheit leisten. Das ganze Gespräch mit weiteren Beispielen und Tichys pointierten Einschätzungen sehen Sie im eingebetteten Video – eine Viertelstunde Klartext über Ihr Geld, die in keiner Abendsendung zu finden ist.



